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Einführung
Historischer Rückblick: Integrierte Schädlingsbekämpfung in USAREUR und in Europa
Der Umweltbericht Global 2000 im Jahre 1980 unter US-Präsident Carter brachte eine Welle der
Förderung von integrierter Schädlingsbekämpfung (=
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est
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anagement,
IPM
) in
Bewegung, die auch bei den amerikanischen Streitkräften trotz einigem Auf und Ab bis heute
immer wieder hochschwappt.
Bis in die Gegenwart kommen bei kriegerischen Auseinandersetzungen immer wieder mehr Menschen durch
Krankheiten um, die von Tieren übertragen werden, als durch Waffengewalt. Aus diesem Grund wird der
Schädlingskunde bei den amerikanischen Streitkräften, die ihre Soldaten weltweit verschicken, eine zentrale Bedeutung
beigemessen. Seit dem zweiten Weltkrieg wurden in Zusammenarbeit des US-Verteidigungsministeriums mit dem US-
Landwirtschaftsministerium und der Universität Gainesville, Florida enorme Kenntnisse auf diesem Gebiet erarbeitet
und gesammelt.
Dennoch stand bei der US-Army in Europa (USAREUR) das Bedürfnis, Geld zu sparen, im
Vordergrund, als man begann, anstatt immer mehr Pestizide zu verbrauchen, die Biologie auch bei
Schädlingen in menschlicher Umgebung deren Lebensgewohnheiten gezielt zu nutzen, um die
Treffsicherheit der Gegenmaßnahmen zu verbessern: IPM für Hygiene-, Haushalts- und
Vorratsschädlinge in Großküchen, Militärkrankenhäusern, Kasernen, Vorratslägern und sonstigen
Militärbetrieben. Daß diese Strategie gleichzeitig die Umwelt schont, war ein "Nebeneffekt", der
bis heute zunehmend an Bedeutung gewinnt.
Dieser "Nebeneffekt" der integrierten Schädlingsbekämpfung ermöglichte es mir, mich als überzeugte Pazifistin und
Ökologin über 10 Jahre mit gutem Gewissen im Dienste einer Armee zu engagieren, ohne einen einzigen Tag zu
bereuen.
Um den betriebseigenen (zivilen, angestellten) Schädlingsbekämpfern, die meist nur ihre
Muttersprache beherrschten, die integrierte Schädlingsbekämpfung zu vermitteln, brauchten die
amerikanischen Streitkräfte in Europa einen deutschen "Entomologist" (
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Schädlingskundler)
gebraucht. Dieses Fach, das inhaltlich etwa zwischen Biologie, Ökologie, Soziologie und
Präventivmedizin angesiedelt ist, kann man an keiner einzigen deutschen Universität studieren.
So gelangte ich 1983 als Diplombiologin mit den Schwerpunkten Ökologie / Insektenkunde und
etwas Erfahrung in Erwachsenenbildung in einen Beruf ohne Kollegen hinein, da meine
Kombination den amerikanischen Vorstellungen von einem Entomologist wohl recht nahe kommt.
Außer meiner Hauptaufgabe, die Aus- und Fortbildung von Schädlingsbekämpfern (Army-eigene
und nationale Vertragsfirmen-Angehörige) zu organisieren und durchzuführen, Richtlinien für
Arbeitsmethoden und Unterrichtsmaterialien zu erarbeiten, sowie Lernziele und Prüfungsfragen mit
den verschiedensten Interessensgruppen abzustimmen, habe ich im Rahmen meiner Arbeit
umfassende schädlingskundliche Gutachten auf der Basis umfassender Betriebsinspektionen in
europäischen Militärgemeinden erstellt, ein Netz von Verbindungen zwischen den Fachbehörden
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