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E. Scholl (1995): Erarbeitung von Richtlinien für die integrierte Schädlingsbekämpfung 1
1. Bestandsaufnahme
1.1. Zustandsbeschreibung
1.1.1. Natur - Schädlinge - Schaden - Nutzen
Dem einen sin´ Uul is dem anderen sin´ Nachtigall -
(altes deutsches Sprichwort)
Jedes Lebewesen braucht einen sogenannten Lebensraum. Dazu gehört außer dem sprichwörtlichen
Raum noch Zeit, Nahrung und verschiedene andere Dinge, die auch Resourcen genannt werden.
Die Ansprüche sind von Art zu Art genauso verschieden wie die Lebensräume.
Zu jedem Lebewesen gibt es eine bestimmte Art von Lebensraum, in den es ganz genau hinpaßt und
eine Minimalausstattung, die es unbedingt braucht: die ökologische Nische. Wenn auch nur ein
Teil falsch ist, muß es umziehen oder sterben.
Viele Lebensräume überschneiden sich oder werden von vielen Arten / Individuen gemeinsam
genutzt. Diese Lebensräume werden Biotope genannt.
Zum Teil werden Resourcen in Form von Energie und Materie in einem ständigen Kreislauf von
einem zum anderen Organismus weitergegeben. Die Aktivitäten der Organismen in einem Biotop
greifen ineinander und bedingen einander. Je länger so ein Lebensraum besteht, desto vielfältiger
werden die Nutzungsmöglichkeiten, desto dichter wird das Netz.
Die Natur nutzt jedes Angebot, füllt dankbar jede Lücke. Alles wird gebraucht. Jeder kleinste
Lebensraum auf der Erde, der zur Verfügung steht, wird auf die Dauer von Lebewesen besiedelt.
Auch wenn das bei extremen Lebensbedingungen sehr lange dauert (z.B. Hochalpen, Tropen,
Polarkreise). So gibt es - in gewissen Grenzen - für alle nur erdenklichen Lebensbedingungen
Spezialisten, die genau daran angepaßt sind.
Die Wissenschaft, die sich damit befaßt, heißt Ökologie.
Ökologisch gesehen, ist der Mensch eine Art Lebewesen wie alle anderen mit einem bestimmten
Anspruch auf Lebensraum. In unserer Gesellschaft beanspruchen - ökologisch gesehen - viele
Menschen mehr Lebensraum, als sie nutzen können. Wo die Natur dann ausgleichend eingreift,
wird sie schnell als störend oder schädlich empfunden - eine einseitige Einschätzung aus
menschlicher Perspektive.
Schädlinge geben dem Naturhaushalt Baumaterialien und Energie zur weiteren Verfügung in den
Kreislauf zurück. Sie sind - ökologisch gesehen - Anzeiger für Fehler, die Menschen gemacht
haben.