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Integrierte Schädlingsbekämpfung
1. Bestandsaufnahme
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Darüber hinaus müssen die Hinterlassenschaften vieler Schädlinge wie Ausscheidungen,
Häutungsreste, Leichenteile mit bestimmten Krankheiten in Verbindung gebracht werden, z.B.
Allergien und andere Erscheinungen der Immunschwäche.
Dazu kommen eingebildete Schäden und psychische Krankheiten wie Insektenwahn und
Angstzustände, die eigentlich nichts mit Tieren oder deren Bekämpfung zu tun haben, deren
Beseitigung aber vom Schädlingsbekämpfer erwartet wird.
Eine der häufigsten und schwersten Ursachen für Schäden ist die Angst selbst, die widerum andere
Schäden mitverursachen kann.
Häufig erfolgt der Ruf nach dem Schädlingsbekämpfer - bewußt oder unbewußt - anstelle nötiger
Reparaturen oder Veränderungen im eigenen Verhalten. Zahlreiche Schädlingsbekämpfer kennen
die Probleme ganz genau und wissen auch, was man tun könnte, um sie zu lösen. Es wird aber von
ihnen erwartet, daß sie helfen, die Mißstände aufrechtzuerhalten, Lebensräume entgegen dem
natürlichen Druck tierfrei zu machen, und dafür werden sie auch bezahlt (s.u., Abschnitt 1.2.1. bis
1.2.3.)
1.1.3. Retter
Zahlreiche Retter warten darauf, den Kampf der Menschen gegen die Natur zu führen:
- der Schädlingsbekämpfer / Kammerjäger; traditionell der Mann mit der Giftspritze, der den
Raum vernebelt oder die Fußleisten einsprüht und dabei ordentlich Gestank verbreitet.
- die Industrie, die Mittel dazu herstellt, und zwar entsprechend den Marktbedürfnissen meist so,
daß der "Erfolg" direkt sichtbar wird. Als optimal im Sinne des Kunden wird angesehen, wenn
viele sich windende Tiere sofort sichtbar werden.
- die Forschung, die zum wachsenden Teil von dem Verkauf der Mittel finanziert wird.
In diesem System treten immer neue, bislang ungeahnte Gefährdungspotentiale auf, die durch
immer mehr Gesetze geregelt werden müssen. Besonders die Zulassung und Vermarktung der Gifte
sind immer wieder Diskussionsgegenstand, aber auch die Haftung bei Fehlern gewinnt zunehmend
an Bedeutung. Das beschäftigt einen weiteren Retterkreis. Bei der Anwendung vertrauen die
zuständigen Überwachungsbehörden dennoch - ganz im Sinne der freien Marktwirtschaft - auf die
freiwillige Selbstkontrolle der Schädlingsbekämpfer.
Fast alle Schädlingsprobleme in Mitteleuropa müssen im Vergleich zu denen der Krisengebiete und
tropischen Entwicklungsländer als vernachlässigbar angesehen werden, werden aber mit den
Mitteln der Katastrophen behandelt. Das kann leicht dazu führen, daß die Mittel - ursprünglich
scharfe Waffen - im Alltagsgebrauch stumpf werden, ohne jemals wirklich bestimmungsgemäß
gebraucht worden zu sein (s.u.: Resistenz, Repellenz).
Dem gegenüber orientiert sich die neue Schädlingsbekämpfung an der Natur, indem sie ein Netz
aus Gegenmaßnahmen knüpft, das Schädlinge gewissermaßen ausgrenzt oder "
ent-netzt
", und zwar
jede Art entsprechend ihren jeweiligen Besonderheiten - jede auf ihre Weise.