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1. Bestandsaufnahme
Integrierte Schädlingsbekämpfung
1.2. Aktionskreise - Knotenpunkte; Zustand, Diskussion
1.2.1. Verbraucher
Das sind diejenigen, die Lebensraum - ökologische Nischen - zur Verfügung stellen und i.d.R.
dauerhaft offen halten.
Oft wissen die Betroffenen selbst ganz genau, was sie tun müßten, um die Probleme dauerhaft zu
lösen. Die Ursachen für den Schädlingsbefall liegen vielfach in den eigenen Lebensumständen der
Betroffenen, d.h. meist außerhalb der Reichweite des Schädlingsbekämpfers. Mindestens drei
häufige Ursachen können unterschieden werden:
- Im einfachsten Fall ist es einfaches Unwissen, das den Schädlingen Lebensräume eröffnet.
Viele Menschen haben nicht gelernt oder vergessen, wie man Ordnung hält und sauber macht.
Das Schamgefühl hindert vielleicht manchen daran, dies sich und anderen einzugestehen. Das
Problem wächst inzwischen.
- Störungen des allgemeinen Wohlbefindens sind regelmäßige Ursachen von Mängeln bei der
Instandhaltung, Wartung, Pflege, Reinigung und Organisation des Alltagslebens;
beispielsweise auch seelische oder psycho-soziale Probleme (
z.B. Partnerschaftsprobleme,
Überforderung, Unterforderung, Macht- und Geldgier als Folge von übermäßigem Konkurrenzdruck,
Bequemlichkeit, Überdruß, Langeweile, Vereinsamung und / oder sonstige Kommunikationsstörungen
).
Dahinter stecken oft uneingestandene Ängste.
- Eine weitere häufige Ursache für Schädlingsprobleme jenseits der Möglichkeiten eines
Schädlingsbekämpfers liegt darin, daß der Verbraucher - sei es als Privatmann oder
Großbetrieb - mehr Lebensraum beansprucht, als er bewältigen kann. Ganz allgemein gilt:
dort, wo etwas schwierig wird, sind die natürlichen Grenzen des eigenen Lebensraums. Wo
darüber hinaus Lebensraum beansprucht wird, gibt es in den Grenzgebieten leicht Probleme,
die regelmäßig verdrängt werden müssen, da sie nicht lösbar sind.
In all diesen Fällen wird der Schädlingsbekämpfer zum Verdrängungsgehilfen degradiert.
Kennzeichen derartiger Verdrängungs-Aktivitäten ist, daß sie in keinem Verhältnis zu
gleichzeitigen Unterlassungen stehen. Verdrängungs-Aktivitäten sind nicht vernünftig, sondern
panisch-triebhaft.
Während vordergründig voller Ekel gegen die Schädlinge "gekämpft" wird, bleibt halbbewußt die
Hintertür für neue "Schädlinge" weit offen; im direkten wie im übertragenen Sinn.
Wegen vereinzelter Käfer werden tonnenweise Lebensmittel weggeworfen. Schadstoffe in anderen werden bis zu
hohen Schwellenwerten toleriert. Der Extremfall kann so aussehen, daß, während die einen darüber beraten, wie der
Hunger auf der Welt gestillt, die Hygiene verbessert werden könne, andere sich aus den Mülltonnen vor der Tür des
Beratungszimmers ernähren.
Leider können die menschlichen Ängste und andere unterdrückte Triebe leicht mißbraucht werden,
um Profite zu erzielen. Das wird von vielen Gruppen mehr oder weniger schamlos ausgenutzt, z.B.:
Werbung, Handel, Medien, zahlreiche Aktivitäten von Umweltorganisationen, Forschung,
Schädlingsbekämpfung, u.s.w.