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Integrierte Schädlingsbekämpfung
1. Bestandsaufnahme
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Auch die Zeitung und die Nachrichten leben von den Katastrophen und nicht etwa von den guten Nachrichten - ein
Zerrbild der Wirklichkeit.
Die Angst, einer der wirksamsten Triebe, wächst. Die Schädlinge bleiben als höchst-greifbares
Ventil. Sie lösen die Angst lediglich aus, ohne tatsächlich Ursache zu sein. So kann es geschehen,
daß Maßnahmen, die zur Schädlingsbekämpfung oder zum Schutz vor Vergiftung verlangt und
durchgeführt werden, überwiegend angstgesteuert, emotional begründet und demzufolge völlig
unangemessen, viel zu stark sind (s.u.: Synergismen).
Ängste wecken Schutzbedürfnis. Das widerum spiegelt sich u.a. in der zunehmend
widersprüchlichen Gesetzesflut wider. Solange gesundheitliche Schäden aber noch nicht mal
wissenschaftlich untersucht werden, können Gesetze nur äußerst begrenzt davor schützen. Und
wenn die Gesundheit erst einmal angegriffen ist, hilft eine Therapie besser als ein Gerichtsverfahren
-wenn überhaupt.
Die wahrhaft schonenden und gleichzeitig wirksamsten Methoden der integrierten
Schädlingsabwehr: Aufräumen, Saubermachen, Instandsetzung und Instandhaltung von Gebäuden
sind als Arbeiten allgemein unbeliebt und nicht gesellschaftsfähig.
Eingefahrene Abläufe und gewohnte Verhaltensweisen lassen sich nur schwer ändern, auch wenn
sie Schädlingsbefall begünstigen.
Viele haben für sowas angeblich keine Zeit. Zeit ist schließlich Geld. Lebensqualität wird von
diesen Zeitgenossen mit materiellem Besitz verwechselt.
Manche mißtrauen auch den eigenen Fähigkeiten, da die nichts kosten und kein Gütesiegel haben.
Das kann leicht dazu führen, daß Menschen den Sinn für ihren eigenen Lebensraum verlieren. Sie
heben regelrecht von der Erde ab und sind dann in ihrem eigenen Leben eigentlich nur noch Gäste.
Lebensraum und Gegenstände des täglichen Gebrauchs verkommen zu austauschbarer Dekoration
ohne jeden Bezug.
Derartig verlassene Lebensräume werden von vielen Lebewesen dankbar angenommen.
Umweltschutz ist nach Auffassung vieler Zeitgenossen Angelegenheit der Umweltverbände - um
den Preis des Jahresbeitrags - eine Art Umweltversicherung. Wer einen Schaden "meldet", erwartet
Dankbarkeit. Damit sind die Umweltverbände hoffnungslos überfordert.
Sobald ein Schaden in Form eines Schädlings einen derartigen Zeitgenossen selbst trifft, erwartet
der als Gegenleistung ein individuell geschnürtes Paket zum egoistischen Schutz vor der Umwelt -
er hat ja schließlich bezahlt - um jeden Preis. Das allgemeine Gut Umwelt wird dann rücksichtslos
dem persönlichen Vorteil unterworfen. Das gilt auch für Schädlinge. Man möchte sie loswerden,
sich selbst schützen, und da ist dem Umweltfreund oft jeder Aufwand recht. Ein paar Katzenflöhe
reichen i.d.R. selbst bei eingeschworenen Ökofreaks voll aus, um die Gifttoleranz von nichts auf
alles umspringen zu lassen.
Marktanalysen über die Erwartungshaltung der Verbraucher an die Schädlingsbekämpfung haben
dazu geführt, daß als ideales Werkzeug die Spraydose entwickelt wurde, die per Knopfdruck alle