Seite 21
Integrierte Schädlingsbekämpfung
1. Bestandsaufnahme
7
1.2.2. Schädlingsbekämpfer
Es fällt auf, daß Schädlingsbekämpfer oft in Familienbetrieben heranwachsen, die seit mehreren
Generationen bestehen. Auch bei denjenigen, die neu angefangen haben, führen oft die Kinder den
Betrieb trotz möglicher Generationsprobleme weiter. Offensichtlich ist es ein interessanter Beruf;
wer einmal damit anfängt, macht auch weiter.
Ausbildung findet bei diesen Praktikern weitgehend im eigenen Betrieb statt. Das hat den Vorteil,
daß örtliche Besonderheiten individuell berücksichtigt werden können, die gerade bei der
ganzheitlichen Schädlingsabwehr eine wichtige Rolle spielen.
1.2.2.1. Berufsbild, Selbst-Verständnis
Viele Schädlingsbekämpfer haben Angst, Schädlinge wirklich zu beseitigen, weil sie glauben, dann
nicht mehr gebraucht zu werden. Schließlich leben sie von deren Beseitigung. Diese Sorge ist
teilweise berechtigt. Wo es das Ziel der Betroffenen ist, das Problem vorübergehend aus dem
Brennpunkt des Gesichtsfeldes zu verdrängen anstatt dessen dauerhafte Lösung zu erwarten, wird
der Schädlingsbekämpfer zum Verdrängungsgehilfen. Besonders, wenn ein Schädlingsbekämpfer
selbst Angst vor Insekten hat, wird daraus leicht ein Gesellschaftsspiel (B
ERNE
1967,
1983).
Kennzeichen derartiger Maßnahmen - beispielsweise bei Schaben - ist das sogenannte
"Ausspritzen", die oberflächliche Behandlung von Schlupfwinkeln mit einem stark austreibenden
Mittel - in Fachkreisen seit Jahren als glatte Fehlanwendung verpönt. Der Anblick einer großen
Zahl hilflos auf dem Rücken zappelnder Tiere gilt bei vielen Schädlingsbekämpfern als sichtbarer
Erfolg ihrer Bemühungen. Zumindest zur Befriedigung des Kunden wird es vielfach als
unvermeidlich angesehen, oft leider mit Recht.
Eine äußerst begrenzte Bereitschaft und / oder Fähigkeit der Kunden zur Kooperation muß
angenommen werden:
- 5-10% der Kunden machen mit;
- 50% machen auf eigene Faust;
- 20% sind völlig unbelehrbar (R
UST
& al. 1995, S. 305).
1.2.2.2. Billiganbieter
Gute Schädlingsbekämpfung hat ihren Preis, der in der Praxis immer wieder von Billiganbietern
gebrochen wird. Aus Angst, den Job zu verlieren, lassen sich viele gute Schädlingsbekämpfer
immer wieder hinreißen, für minimale Preise minimale Leistungen anzubieten. Ungenaue
Auflistung der zu leistenden Tätigkeiten in den Verträgen begünstigt dieses Verhalten zusätzlich.
Es gibt keinen Leistungskatalog als Orientierungshilfe.
Dazu kommt das oben beschriebene Problem der Kommunikationsstörungen in großen Betrieben.
So werden gerade gute Schädlingsbekämpfer häufig von großen Aufträgen ausgeschlossen.
1.2.2.3. Wahl der Methoden:
Viele Schädlingsbekämpfer teilen die Abwehrhaltung der Verbraucher chemischen und
mathematischen Formeln gegenüber. Dadurch bleiben ihnen wichtige Informationen vorenthalten,