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1. Bestandsaufnahme
Integrierte Schädlingsbekämpfung
die dann beim Umgang mit den Chemikalien fehlen. Die daraus folgende Unsicherheit macht sich
bei der Auswahl der Methoden, beim Ausbleiben der Bekämpfungserfolge und bei den
Haftungsproblemen nach Fehlanwendungen bemerkbar.
Die gegenwärtigen Methoden der Schädlingsbekämpfung in Deutschland beschränken sich nach
meiner Kenntnis im Wesentlichen auf das Besprühen und Lackieren von meist dauerhaft wirksamen
Chemikalien auf große Flächen, sowie Vernebelung befallener Räume. Gegen Nagetiere werden
Antikoagulantien als Giftköder eingesetzt. Einige Firmen bieten auch Hitzebehandlungen an.
Wissenslücken äußern sich beispielsweise:
- im regelmäßigen "Ernten" von Schädlingen; Verwechslung dieser Tätigkeit mit einer
Bekämpfung;
- in blindem Vertrauen (?) in immer neue Patentrezepte und Universallösungen in Form von
Chemikalien;
- in wachsender juristischer Spitzfindigkeit als Lückenbüßer für solides Fachwissen.
1.2.2.4. Ausbildung
Ausbildung und Prüfung der Schädlingsbekämpfer, die inzwischen verlangt werden, sind recht
undurchsichtig. Teilweise haben die Anforderungen Universitätsniveau, sind also viel zu hoch und
realitätsfern, während andere in kürzester Zeit zahllose Schüler "qualifizieren. Einzelne Firmen
sind angeblich in der Position, ihre eigenen Mitarbeiter zusammen mit denen der Konkurrenten
prüfen zu können. Die Prüfungsfragen entbehren Berichten zufolge z.T. der fachlichen Sachkunde.
Die Prüfer sind in Fachkreisen bis auf Ausnahmen unbekannt und anscheinend nur sehr selektiv an Kontakten mit
neutralen Kollegen interessiert: trotz langjähriger, intensiver Suche hatte ich noch keine Gelegenheit, einen von ihnen
kennenzulernen. Woher sie ihre Qualifikation haben, konnte ich bisher nicht ermitteln.
Bei den Prüfungsfragen, die ich bei den Weiterbildungseinrichtungen bisher eingereicht habe, wurde ich regelmäßig
gebeten, die richtigen Antworten anzukreuzen, ohne, daß diese jemals hinterfragt wurden, obwohl einige meiner
"richtigen" Antworten nach meinen einschlägigen Erfahrungen als langjährige Ausbilderin von Schädlingsbekämpfern
sehr diskussionsbedürftig waren.
In mindestens einer der Weiterbildungseinrichtungen unterrichten Mitarbeiter eines Chemiekonzerns den Gebrauch von
Pestiziden. Hier muß unterstellt werden, daß eine Verringerung des Pestizidverbrauchs nicht erwartet werden kann.
Auch wenn die Unterstützung Pestizidhersteller für die Ausbildung der Schädlingsbekämpfer noch so dringend
erforderlich ist, so wird durch diese Vorgehensweise gewissermaßen der Bock zum Gärtner gemacht.
Zur Zeit wird Schädlingsbekämpfer-Ausbildung von einer wachsenden Zahl von Privatschulen und
Firmen angeboten, unter denen nach meinen Kenntnissen keinerlei Absprachen getroffen werden -
eher im Gegenteil. Die Schulen arbeiten nicht miteinander, sondern in Konkurrenz. Offensichtlich
unterrichtet jeder, was er will.
Außerhalb der ehemaligen BRD gibt oder gab es etliche Institutionen, die seit Jahrzehnten in
gleichbleibender Qualität Schädlingsbekämpfer ausbilde(te)n, z.B. in der ehemaligen DDR, in den
USA und in England.
Bis auf eine Ausnahme gelangten auch die bewährten Richtlinien und technische Informationen der
US-Streitkräfte nicht in die Praxis der deutschen Schädlingsbekämpfer hinein, obwohl ich den
Fachverband seit Jahren immer wieder auf deren Existenz aufmerksam gemacht habe.
Diese Informationen beinhalten Themen wie die Einrichtung von Lager, Werkstatt und Fahrzeugen; den sicheren
Umgang mit Pestiziden, Schutzausrüstung für Schädlingsbekämpfer, Medizinische Vorsorgeuntersuchungen für