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Integrierte Schädlingsbekämpfung
1. Bestandsaufnahme
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1.2.2.6. Eigenschaften der Pestizide
Mit den von Laien gefragten Pestizid-Eigenschaften (einfach anzuwenden, billig, möglichst sofort
viele tote oder sterbende Tiere produzieren, kurz: das zeitweilige Gefühl, irgendetwas "getan" zu
haben) sind fast alle "Fachleute" schon zufrieden.
Allein mit der Frage nach wünschenswerten Eigenschaften von Pestiziden ist es relativ einfach, unter den Fachleuten
die Spreu vom Weizen zu trennen.
Die gesamte Fachwelt und die Umwelt tragen reichlich an den Kosten und dem Frust.
1.2.2.7. Alternative Methoden:
Alternative Methoden werden zur Zeit eher als eine Art grünes Feigenblatt verwendet, ein
Anhängsel, mit dem sich inzwischen wohl jeder zu bedecken sucht.
Nicht jede Methode kann jedem Beteiligten zugemutet werden und / oder erfolgreich angewendet
werden. Manche Methoden setzen sehr viel Verständnis und Kooperationsbereitschaft von allen
Beteiligten voraus. Was dabei herauskommt, sind Mißerfolge und neue Unsicherheiten.
Für Mißerfolge alternativer Methoden der Schädlingsregulierung gibt es viele mögliche Ursachen,
z.B.:
- Sie sind oft nicht ausgereift oder funktionieren nicht, weil die Erklärungen mangelhaft sind.
- Sie erfordern sehr viel Wissen, zu dem die Anwender selbst nur sehr begrenzten Zugang haben.
Wer erst anfängt, sie zu studieren, wenn das Problem bereits drängt, hat schon verloren.
- Sie setzen eine völlig unrealistische Kooperationsbereitschaft der Betroffenen voraus oder sind
so kompliziert, daß die Betroffenen nicht damit umgehen können.
- Sie sind "zu" langsam.
- Fast alle funktionieren nur unter bestimmten Bedingungen, nur zeitweise oder nur an genau zu
bestimmenden Orten.
- Die Erfolge sind nicht direkt sichtbar.
- Mißachtung der Erwartung des Kunden; beispielsweise, daß das Gift stinken müsse, oder die
Tiere augenblicklich sichtbar machen und töten (s.a.: S
TILING
1993).
Aus diesen Gründen häufen sich die Mißerfolge bei der Anwendung. Das frustriert und führt leicht
zur Ablehnung, auch wenn die Methode selbst noch so gut ist.
1.2.2.8. Qualitätssicherung:
Die Tätigkeiten von Schädlingsbekämpfern werden weder koordiniert, noch sachkundig überwacht
oder kontrolliert. Wer sollte denn die Qualität ihrer Arbeit beurteilen und nach was für Kriterien?
Dadurch wird es sehr schwierig, qualifizierte Schädlingsbekämpfer zu erkennen. Außerdem gibt es
wenig Anreize, gute Arbeit zu leisten.
Gewerbliche Schädlingsbekämpfer haben wegen des Wettbewerbs verständliche Gründe, ihre
Erfolgsrezepte irgendjemand mitzuteilen.
Dummerweise wird es dadurch unmöglich, gute Schädlingsbekämpfung zu erkennen und
entsprechend zu honorieren.