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1. Bestandsaufnahme
Integrierte Schädlingsbekämpfung
Einzelne, meist ältere Kollegen sind überhaupt nicht bereit zu irgendeiner inhaltlichen
Veränderung. Sie schwören auf das "Bewährte" aus vergangenen Zeiten und können damit den
Erfolg ganzer Arbeitsgruppen ernsthaft in Frage stellen. Das kann dem Ruf des gesamten
Berufsstandes schaden, besonders, da es sich bei ihnen in der Regel um die ersten Jahrgänge der
"geprüften" Schädlingsbekämpfer handelt. Richtig kompliziert wird es, wenn ein derartiger
Altvorderer als Firmeninhaber die Methoden eines ganzen Betriebes bestimmt.
1.2.3. Methoden & Mittel
Traditionelle Strategie der Schädlingsbekämpfung besteht darin, möglichst universelle und
wenige Patentlösungen bereitzuhalten, die gleichermaßen für alle Probleme anwendbar sind.
Probleme, die jenseits der Schädlinge und ihrer Bekämpfung liegen, wurden bereits
angedeutet (Schmutz, Unordnung, Verwahrlosung, baulicher Zustand befallener Objekte,
psycho-soziale Probleme der Bewohner).
Tiere werden häufig dort schädlich, wo auf unterschiedlichste Weise die Grenzen geöffnet werden
oder verwischen. Im einfachsten Fall sind dies unkontrollierte Öffnungen in Gebäuden jeglicher
Art.
Hierher gehören aber auch nicht-stoffliche Grenzen, z.B.:
- Diskrepanzen zwischen Ansprüchen und Nutzung,
- Lücken in der Kommunikation unter den Betroffenen,
- Mängel in Verträgen zur Reinigung, Instandhaltung, Instandsetzung und
Schädlingsbekämpfung in befallenen Objekten. Oft ist beispielsweise die Behandlung /
Beseitigung von Abfällen und nicht genutzten Gebrauchsgegenständen ungenügend geklärt.
- Koordinationslücken zwischen Handwerkern verschiedener Fachrichtungen bei Umbau- und
Reparaturarbeiten,
- Unzufriedene Mitarbeiter; wer seine Arbeit unter Druck und ungerne macht, kann sie nicht gut
machen. Besonders bei den sogenannten "Hilfsarbeitern" wird das auf die Dauer zum
begrenzenden Faktor;
- Kompetenzgerangel verschiedener Institutionen und öffentlicher Einrichtungen,
- lange Organisationsketten in der Hauswirtschaft bei größeren Organisationen, die oft
mangelhaft vernetzt sind, außerdem zentrale Verteilungsstellen mit ständig wechselnden
Personen und Materialien.
Mit den derzeit verbreiteten Methoden der Schädlingsbekämpfuung werden die Probleme
meist nicht gelöst, sondern rasch und billig vorübergehend aus dem Gesichtsfeld geräumt.
Die (Ersatz-) Befriedigung besteht darin, viele tote Tiere zu produzieren.
1.2.4. Stoffe und Energie; Streß
Vielen Menschen macht die Chemie Angst. Sie erklären Chemikalien für gefährlich und verlangen
"chemiefreie Mittel". Sie meinen oft aber "giftfrei", setzen Chemie mit Gift gleich und liegen mit
beiden Annahmen ziemlich falsch. Die grundsätzliche Ablehnung kann so weit gehen, daß
Informationen abgelehnt werden, sobald chemische Formeln darin enthalten sind. Bei dieser
Sichtweise übersehen die Menschen die chemische Natur der Materie.