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Integrierte Schädlingsbekämpfung
1. Bestandsaufnahme
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Ab der 10. - 15. Anwendung eines jeden Wirkstoffs muß mit Resistenz gerechnet werden (E
ICHLER
1965). Die Resistenzbildung wird durch den Mißbrauch von Pestiziden beschleunigt. Da es immer
schwerer wird, gute neue Gifte zu finden, wird dadurch das Ernstfall-Management schwer
gefährdet. Beim Pestfloh und bei der Schabe gibt es noch Möglichkeiten.
Die Ausrottung von Wanderheuschrecken und Malariamücken mit DDT hätte möglicherweise gelingen können, wenn
die Aktivitäten international hinreichend koordiniert worden wären. Da dies nicht geschah, kam die Resistenz dem
Bekämpfungserfolg zuvor
.
Als Zuchterfolg bei Haustieren und Nutzpflanzen ist die Resistenz besser bekannt und sehr
erwünscht. Es gibt kaum eine Eigenschaft, die sich nicht züchten läßt.
Wenn Tiere den ersten Kontakt mit einem Gift, aus was für Gründen auch immer, überleben, lernen
sie daraus meist, einen weiteren Kontakt zu vermeiden und leben weiter. Diese Erscheinung heißt
Repellenz
(= Abstoßung, Abschreckung) oder Austreibewirkung.
Fast alle Schädlingsbekämpfungsmittel wirken stark repellent auf die Insekten. (Ausnahmen sind
beispielsweise Borsäure, Wachstumsregler und manche mikroverkapselte Wirkstoffe). Je länger so
ein Gift haltbar ist, desto stärker wird die Repellenz, desto schneller flüchten die Tiere, wenn die
Behandlung wiederholt wird, und zwar in alle Richtungen, auch in angrenzende Gebäudeteile, falls
welche da sind.
Es liegt auf der Hand, daß durch die Repellenz die Wirkung von Giften stark beschränkt wird.
Repellierende Wirkstoffe mit Dauerwirkung sind eher geeignet, einen Befall auszubreiten, als ihn
zu tilgen.
Paradoxerweise muß diese Sonderform von Wirkungsmangel Laien (= nicht-Fachleuten) als starke
Wirkung erscheinen, da ja viele kranke Tiere sichtbar werden. Daß die Austreibewirkung eines
Präparates noch umsatzsteigernd angepriesen wird, spricht eigentlich für sich.
Pestizide überstrapazieren heißt - sie verlieren.
Bis vor einiger Zeit wurden Resistenzuntersuchungen in Europa an folgenden Stellen gemacht:
- firmenintern bei den Pestizidherstellern - selbstverständlich geheim,
- beim 10th Medical Laboratory in Landstuhl - weitgehend unbekannt,
- beim Referenzinstitut in Kleinmachnow, DDR - begrenzt auf die dort verwendeten Wirkstoffe,
- in Dänemark,
- bei der Weltgesundheitsorganisation
Allgemein zugängliche Informationen über Resistenzen in der Bundesrepublik fehlen deshalb
weitgehend.
-> den Abschnitt Resistenz & Repellenz im Kapitel Pestizide.
1.2.6. Industrie
die Hersteller von Pestiziden leben vom Verkauf hergestellter Produkte. Ihr "natürliches" Ziel ist,
möglichst viel davon zu verkaufen. Große Firmen können anscheinend nur große Mengen