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1. Bestandsaufnahme
Integrierte Schädlingsbekämpfung
Wachsende Belastung zahlreicher Betroffener mit Rechtsstreitigkeiten, als Opfer wie als Täter.
Außer den reinen Prozesskosten müssen hier die Zeit und Aufmerksamkeit der Betroffenen für
Rechtsstreitigkeiten gerechnet werden, die an Arbeitszeit und -intensität verloren gehen.
"Entlastung" der Rentenversicherung, da viele mit Pestiziden Hantierende das Rentenalter nicht
erreichen. Das ist bislang nur eine Vermutung aufgrund persönlicher Beobachtung.
Einzelne Hochbetagte unter den Schädlingsbekämpfern, die Fachtagungen besuchen, haben mir energisch
widersprochen. Dieser Widerspruch ist nicht notwendigerweise geeignet, diesen Verdacht zu widerlegen, da es sich bei
ihnen i.d.R. um Betriebsinhaber handelt, die schon längst nicht mehr selbst mit der Giftausbringung zu tun haben.
Selbst wo dies nicht zutrifft, ist anzunehmen, daß dieser Personenkreis sich aufgrund der gehobenen Position besser
informieren und schützen konnte.
Die echten Arbeiter, die täglich mit der Spritze ausziehen, können die damit verbundenen Risiken in der Regel nicht
abschätzen. Sie wissen nicht, was sie tun. Aufgrund meiner persönlichen Beobachtungen vermute ich, daß bei ihnen
gehäuft Leberschäden und bestimmte Krebsarten, möglicherweise auch Herz- und Kreislaufkrankheiten auftreten.
1.2.9. Forschung, Lehre
Entomologen im Sinne Schädlingskundler sind eine aussterbende Spezies an deutschen
Universitäten. Die wenigen Lehrstühlen für Entomologie wurden in den letzten Jahren mit anderen
Fachrichtungen besetzt, z.B. in Bonn, Gießen und Hamburg.
Dafür gibt es mehrere mögliche Ursachen, über die hier nur gemutmaßt werden kann:
- Angeblich ist der Grund Mangel an Interesse durch die Studenten.
- Teil des Problems könnte sein, daß wenig "neuzeitliche" Arbeitsgeräte benötigt werden. Für
die wesentlichen Arbeiten der Entomologie genügt eine gute Lupe als zentrales
Arbeitsgerät. Oft wird offenbar der Nachweis der Fähigkeit zum korrekten Umgang mit
teurer Technik mit guter Arbeit verwechselt.
- Ungeziefer ist als Forschungsobjekt nicht besonders gesellschaftsfähig. Die wenigen
Entomologen, die es gibt, konzentrieren sich vorzugsweise auf die Erforschung exotischer
Schönheiten.
- In Deutschland gibt es - verglichen mit anderen Ländern - verhältnismäßig wenig
Schädlingsprobleme (?). Forschung wird primär für landwirtschaftliche Schädlinge
betrieben. Die dort gewonnenen Erkenntnisse werden meist relativ undifferenziert auf den
menschlichen Nahbereich übertragen. Dabei werden Denkfehler zur Regel.
- Forschungsschwerpunkte der Schädlingskunde gibt es ausreichend in Ländern, die auch
Probleme damit haben. Allerdings haben diese Länder auch Schädlingsprobleme, die nicht
so einfach übertragbar sind (USA-Südstaaten, UK-Commonwealth).
In der ehemaligen DDR gab es eine Ausbildung zum Fachentomologen, aber das hörte vor einigen
Jahren auf. Immerhin gibt es in den neuen Bundesländern noch einige sehr kompetente
Fachentomologen mit viel Erfahrung, von denen etliche aber zur Zeit arbeitslos sind.
Offensichtlich weiß niemand den Wert ihrer Fähigkeiten zu schätzen.
Weltweit verkaufen sich Wissenschaftler, um zu überleben, um weiter forschen zu können, um
konkurrenzfähig zu bleiben. Wer Gutachten bezahlt, kriegt auch das gewünschte Ergebnis
geliefert, damit er weiter zahlt.
Dabei bleibt alles, was nicht direkt Profit-versprechend ist, leicht auf der Strecke. Viele Schäden
"existieren nicht", weil keiner etwas daran verdienen kann.