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Integrierte Schädlingsbekämpfung
1. Bestandsaufnahme
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Es ist fast unmöglich, sich diesem Sog zu entziehen, aber zum Glück ist es nach meinen bisherigen
Erfahrungen wenigstens nicht mehr akut lebensbedrohlich. (Der Erfinder des Porzellans in Europa
wurde immerhin noch hingerichtet, weil er "nur" Porzellan und nicht auftragsgemäß Gold erfunden
hatte.)
In der Regel ist die subjektive Wahrnehmbarkeit die natürliche Grenze der Beurteilung. Das gilt
auch für Wissenschaftler. Gerade die Naturwissenschaftler sind stolz darauf, nur das Beweisbare
als existierend anzuerkennen. Dabei dienen alle verwendeten Geräte eigentlich nur der Erweiterung
der subjektiven Wahrnehmbarkeit; auch wenn sie noch so objektiv messen.
Auch macht die menschliche Neigung, bevorzugt Fakten zu sehen, die das erwartete / erwünschte
Ergebnis unterstützen, vor Wissenschaftlern nicht halt. Solche Faktoren, die in Widerspruch dazu
stehen, werden leicht "übersehen".
Was den Forscher überfordert, nicht interessiert, oder was ihm gar unheimlich ist, entzieht sich
leicht seiner Wahrnehmung. Zusammenhänge werden dabei leicht übersehen.
Dazu kommt, daß fast immer nur Ausschnitte der Wirklichkeit beobachtet werden. Mit dem
Gesamtbild sind viele Forscher überfordert.
Wir müssen davon ausgehen, daß die Lebewesen sich in ihrer natürlichen Umgebung völlig anders
verhalten als im Labor unter Versuchsbedingungen. (M
EEHAN
1984; M
ETZGER
, 1989, mündl.
Mitt.)
- Eine Vorstellung davon gibt Rasa in ihrer Dissertation über Leben und Sozialverhalten der
afrikanischen Zwergmungos (R
ASA
1984).
- Termiten wandern täglich mit der Sonne. Wer also morgens einen Befall ermittelt und
nachmitttags die Bekämpfung durchführt, kann sie leicht verpassen (E
BELING
1993, mündl.
Mitt.).
Das gilt für die Biologie der Schädlinge und auch für die Bekämpfung.
Hätten wir beispielsweise Röntgenaugen, würden wir nur die Knochen sehen und wären zur Wahrnehmung des
umgebenden Körpers ausschließlich auf den Tastsinn angewiesen.
Welcher Student würde sich die Mühe machen, beispielsweise das Periodensystem der Elemente beweisen zu wollen,
nachdem es bereits existiert? Also glaubt er es. Mit Wissen hat das aber wenig zu tun.
Wer dagegen das Gesamtbild wahrnimmt, ist kaum je in der Lage zu wissenschaftlicher
Dokumentation. Diese beiden Fähigkeiten scheinen einander fast auszuschließen.
Wohl jeder, der sich mit der sogenannten "exakten" Wissenschaft beschäftigt hat, weiß, daß die
erfolgreiche Tarnung von Wissenslücken der Autoren ein konkurrenzbegrenzender, fester
Bestandteil der Forschung ist. Ich selbst habe schon öfters rein empirisch Nachteile in Kauf
nehmen müssen, die theoretisch nicht existieren, weil ich es abgelehnt habe, meine eigenen Lücken
zu verstecken.
All das ist geeignet, den Wert von wissenschaftlichen Erkenntnissen zu relativieren, die bei Licht
besehen eher Glaubensbekenntnisse sind. (R
IDDELL
1990, S. 37 ff.)
Information ist zwar massenhaft vorhanden, aber hauptsächlich auf Englisch und / oder in sozialen
Sprachen, die kein "normaler Mensch" verstehen kann. Deshalb ist sie für diejenigen, die sie
brauchen, unbrauchbar.