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Integrierte Schädlingsbekämpfung
1. Bestandsaufnahme
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bestimmungsgemäßer Anwendung nach derzeit geltendem Recht nicht wirklich praktikabel; oder sie verursacht
massenhaft Sondermüll in Form von Abdeckplanen, Waschwasser, Putzgeräten etc.
Der Umgang mit Pestiziden wird über die Gefahrstoff-Verordnung zur Zeit mindestens einmal pro Jahr neu geregelt
und wird jedesmal komplizierter, bevor der durchschnittliche Anwender dazu kommt, sich eine Änderung zu merken.
Das trägt erheblich dazu bei, das Chaos zu vergrößern.
Vorratsschädlinge: Die Zuordnung dieser Gruppe zu den landwirtschaftlichen Schädlingen kennt nur ein sehr
begrenzter Personenkreis, der beruflich damit zu tun hat. Niemand sonst würde sie dort vermuten.
Das Zulassungsverfahren ist für Mittel aus reinen Stoffen angelegt, für Naturstoffe nur begrenzt brauchbar. Dennoch
enthalten die "technisch reinen" Stoffe, die in der Praxis verwendet werden, auch bis zu 5% Verunreinigungen.
Das Patentrecht, das die Forschung mit prägt, ist irrelevant für Volksweisheit. So wird die Regelungspraxis zu einer
Art maßgeschneidertem Anzug für synthetisch hergestellte Stoffe auf Kosten der Naturstoffe, zur einseitigen Förderung
auf Kosten der Unabhängigkeit der Menschen. Mit den Anforderungen an die Produktqualität wächst das Mißtrauen
gegenüber nicht prüfbarer Volksweisheit und damit die Abhängigkeit von industrieller Fertigung.
Einige wirklich harmlose und hochwirksame Mittel zur Schädlingsbekämpfung haben keine Chance, unter den
derzeitigen und / oder angestrebten Bedingungen als Pestizide zugelassen zu werden, weil sie den Herstellern den
Aufwand nicht wert sind, oder weil jeder sie selber machen könnte (z.B. Kieselerde, Seife und Pflanzenöl). Nach
herrschendem Recht dürfen gerade solche harmlose Mittel bei behördlich angeordneten Entwesungen von öffentlichem
Interesse nicht verwendet werden, vom Verschließen der Eintrittspforten ganz zu schweigen.
Epidemiologische Bemühungen in Deutschland beschränken sich auf:
- Meldepflicht und zentrale Erfassung von Vergiftungen seit einigen Jahren.
- Die Verbreitung von Schädlingen in der ehemaligen DDR wurde seit deren Bestehen sorgfältig verfolgt und
aufgezeichnet, aber bis heute nicht ausgewertet.)
Epidemiologische Untersuchungen berufsbedingter Erkrankungen von Schädlingsbekämpfern und Vergiftungen durch
Bekämpfungsmittel, sowie der Ausbreitung von Schädlingen und Infektionskrankheiten, wie Lyme disease (=
Zeckenborreliose, s.Abschnitt Zecken), fehlen. Beispielsweise Langzeitschäden durch Organophosphate und
Karbamate gibt es nur scheinbar nicht, da keine Untersuchungen darüber gemacht wurden (S
AGUNSKI
1994, mündl.
Mitt.).
Demzufolge haben wir keine Ahnung, wo Fehler gemacht wurden, geschweige denn, was wir besser machen können.
Einseitige, am kurzfristigen Profit orientierte Forschung verursacht auf diese Weise im Bereich der
Schädlingsbekämpfung mittel- und langfristig schwere volkswirtschaftliche Schäden.
Beim Erlaß von Vorschriften, die die Schädlingsbekämpfung betreffen, werden so gut wie nie
Biologen oder Entomologen zu Rate gezogen. Das wird spätestens bei den Versuchen zur
Umsetzung deutlich.
Schwerste Defizite bestehen zur Zeit noch in der Überwachung der Schädlingsbekämpfung. Das
gilt für die Betriebe selbst und auch für die Tätigkeiten in den Bereichen Betriebssicherheit,
Pestizidlager, Fahrzeuge, medizinische Vorsorge, Atemschutz und Schutzkleidung, Gifteinsätze
(Angemessenheit, Art, Methode, Ort, Menge und Häufigkeit), Methoden, Befallsüberwachung,
Erfolgskontrollen und Schutz vor Wiederbefall. Damit ist die freiwillige Selbstkontrolle haushoch
überfordert.
1.2.11. Zuständigkeiten
Unendlich viele Stellen sind irgendwie an der Zuständigkeit für Schädlingsbekämpfung beteiligt.
Die meisten davon sind voll ausgelastet mit der Verteidigung ihrer Grenzen, sodaß für die