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1. Bestandsaufnahme
Integrierte Schädlingsbekämpfung
eigentliche Arbeit kaum noch Zeit bleibt. Die entstehenden Lücken sind Lebensräume für
Schädlinge. Übersteigerte Machtansprüche ohne Qualifikation haben oft Bekämpfungslücken zur
Folge.
Grenzbewohner, die vom menschlichen Kompetenzgerangel profitieren, sind beispielsweise Ratten,
Motten, Mücken, Ameisen, Zecken und Schaben.
1.2.12. Umweltorganisationen
Einige Umweltorganisationen beteiligen sich mit wechselndem Engagement an der Diskussion über
Pestizide. Durch ihren Einfluß auf die Öffentlichkeit haben sie Teil an der Entwicklung der
Schädlingsbekämpfung und sollen deshalb auch hier berücksichtigt werden.
Die Vertreter der Umweltorganisationen nehmen oft eine Zwischenstellung zwischen den Bürgern
und ihrer Umwelt ein. Sie informieren kostenlos oder sehr preiswert und umfassend. Wenn schnell
richtige Information benötigt wurde, ist nach meinen Erfahrungen der Bund für Umwelt und
Naturschutz Deutschland (B.U.N.D. e.V.) eine schnellere, sicherere und gründlichere
Informationsquelle als jede Behörde oder Firma.
Ehrenamtliche Fachleute sind allerdings mit der regelmäßigen Vertretung der Umweltverbände in
Fachgremien bald überfordert. Wer beispielsweise
als einziger Teilnehmer
einer großen
Diskussionsrunde umfangreiche Vorarbeiten nach Feierabend machen und für die Teilnahme an der
Runde seinen Jahresurlaub verplanen mußte, während alle anderen Diskussionsteilnehmer für die
Vorbereitungen ihre reguläre Arbeitszeit verwenden konnten, ist allein dadurch automatisch auf
eine Feigenblatt-Funktion reduziert.
Abgesehen davon kann es leicht passieren, daß immer mehr Leistungen selbstverständlich kostenlos erwartet werden.
Darunter leidet auf die Dauer die Qualität der Beiträge oder das Interesse am Engagement. Außerdem schadet es
denjenigen, die von derartigen Dienstleistungen ihren Lebensunterhalt verdienen wollen.
Umweltorganisationen sind eine Art Sammelbecken für menschliche Ängste. Angst entsteht oft aus
Mangel an Information. Die Organisationen stellen Informationen bereit und führen zur
Konfrontation mit der Wirklichkeit, also zu weiterer Information. Insofern werden Ängste gelöst,
Grenzen erweitert, die Fähigkeit zum Differenzieren gestärkt. Das ist ein Prozess, der vielfach
beim Umwelt-Engagement abläuft.
Wer allerdings lernt, zu differenzieren, gerät innerhalb der Organisation leicht in Schwierigkeiten, sofern es ihm nicht
gelingt, erworbenes Wissen vollständig weiterzugeben. Dabei stoßen gerade Naturwissenschaftler öfters auf
unerwartete Schwierigkeiten.
Die Weitergabe von Wissen ist bei abstrakten Gebieten wie Chemie ohnehin schwierig. Sie wird durch die
grundsätzliche Ablehnung zahlreicher Umweltschützer gegenüber jeglicher "formelhaltiger" Information zusätzlich
erschwert.
Das führt dazu, daß innerhalb der Organisation die Mehrzahl der politisch aktiven Mitglieder die Leistungen der
inhaltlichen Zuarbeiter nicht beurteilen kann. Die Leistungen werden demzufolge häufig gering geschätzt oder gehen
unter. Obwohl das in jeder Organisation vorkommt und wirklich nichts Besonderes ist, ist es bei ehrenamtlicher Arbeit
besonders auf die Dauer besonders frustrierend. Ehrenamtliche Informanden gehen so leicht verloren, obwohl ihre
grundsätzliche Motivation sehr hoch ist.