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1. Bestandsaufnahme
Integrierte Schädlingsbekämpfung
Einige Beobachtungen legen den Verdacht nahe, daß es manchen Umweltfreunden in Wirklichkeit
nicht um eine Verbesserung der Umweltsituation geht.
- Oft werden Mißständen über lange Zeiträume beklagt, ohne irgendeinen erkennbaren Anspruch auf Lösung der
Probleme. Das kann soweit gehen, daß konstruktive Lösungsansätze und Verbesserungsvorschläge z.T.
geflissentlich überhört / ignoriert werden.
- Starke Polarität behindert die praktische Arbeit. Ähnlich wie bei der Industrie - nur mit umgekehrtem Vorzeichen
- teilen viele Umweltschützer die Welt in Freunde (=Pestizidgegner) und Feinde (= Pestizidbefürworter) ein.
Alles Dazwischenliegende wird voller Argwohn der gegnerischen Seite zugerechnet. Die grundsätzliche
Ablehnung von Pestiziden ist rein emotional geprägt, differenzierte Information ist äußerst schwer zu vermitteln.
In diesen und anderen Fällen drängt sich die Frage auf, um was es diesen Menschen bei ihrem
Engagement wohl in Wirklichkeit gehen mag.
1.2.13. Informationsmanagement
1.2.13.1. Aus- und Fortbildung
Die Aus- und Fortbildung der Schädlingsbekämpfer und Entomologen wurde in den Abschnitten ->
Forschung und Lehre / Entomologen und -> Schädlingsbekämpfer bereits angesprochen (s.o.). Es
gibt einige fachverwandte Ausbildungen, z.B. Gebäudereiniger, Landwirte, Gesundheitsaufseher,
Lebensmittelkontrolleure, Desinfektoren, Veterinäre. Eine übergeordnete Koordination gibt es
nicht.
1.2.13.2. Information
Die Gesamtsituation der Schädlingskunde in Deutschland hat ein erschreckendes
Informationsdefizit zur Folge. Einen Ansprechpartner gibt es in zweien der alten Bundesländer und
in Berlin. Ansonsten wird die Fachabteilung des Institutes für Wasser-, Boden- und Lufthygiene als
Kontaktadresse genannt, die damit trotz aller Anstrengungen hoffnungslos überfordert ist.
Außerdem gibt es zahllose Notlösungen wechselnder Qualität.
Journalisten in Deutschland scheinen recht ahnungslos zu sein, was die Alternativen zur
traditionellen Schädlingsbekämpfung in Räumen angeht. Dabei gibt es gelegentlich sehr gute
Fernsehsendungen und Zeitungsartikel über Tiere incl. Schädlinge.
Englische Fachliteratur ist in reichhaltiger Auswahl für alle Arten von Ansprüchen erhältlich.
Damit sind aber fast alle Praktiker der Schädlingsbekämpfung hoffnungslos überfordert, auch
diejenigen, die Englisch gelernt haben. Die Fachliteratur der Schädlingskunde hat einen völlig
anderen Wortschatz als das Schulenglisch.
Das fängt bei den Wortbestandteilen der Berufsbezeichnung - `Pest Controller´ bereits an, die mit Sicherheit in keiner
Schule unterrichtet wird. Als ich das vor Jahren zum ersten Mal las, habe ich an biologische Kriegsführung gedacht,
und das nach zehn Jahren neusprachlichem Schulenglisch, gutem Abschluß und mehrjährigem Studium der
Entomologie!