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Integrierte Schädlingsbekämpfung
1. Bestandsaufnahme
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Fachbücher und Lose-Blatt-Sammlungen in deutscher Sprache sind zur Zeit wohl an mehreren
Stellen in Arbeit. Leider ist die Bereitschaft der Autoren zur Gemeinschaftsarbeit äußerst begrenzt,
soweit ich das beurteilen kann.
Fachzeitschriften begünstigen durch schlechte Bezahlung - sicherlich unbeabsichtigt - Beiträge von
Autoren mit gesichertem Einkommen (meist Industrie- und Behördenvertreter und
Wissenschaftler), die so einseitig gefördert werden. Mit vielen Artikeln sind Praktiker stilistisch
überfordert, oder die Informationen sind unvollständig; Bei Arbeiten von Industrievertretern fehlen
z.B. oft Hinweise auf weiterführende Literatur oder Beschränkungen der beschriebenen Methoden.
Datenbanken wie DIMDI, ZADI, CABI oder diejenige der Weltgesundheitsorganisation sind
gewaltig, schwer zugänglich und deshalb für den täglichen Gebrauch des wissensdurstigen
Praktikers keine praktikablen Informationsquellen. Auch e-mail ist nicht ausgereift, hat allerdings
gute Aussichten, die Laienfähigkeit in absehbarer Zeit zu erreichen. In den USA gibt es bereits ein
schädlingskundliches Kommunikationssystem mit Teilnehmern aus allen Gesellschaftsschichten.
Voraussetzung für beide Informationsarten sind bislang gute Englischkenntnisse.
Computereinsatz zur Informationsübermittlung gilt zunehmend als unverzichtbar. In der Praxis
sind aber viele Menschen damit überfordert; eine effektive Nutzung ist nicht immer gegeben
(TEST 11 / 1994). Außerdem verführt der Computer zur Schein-Lösung praktischer Probleme auf
dem Bildschirm anstatt in der Wirklichkeit.
Zwei ausgezeichnete Videos über Schaben und Ratten (M
ALLIS
,
ca 1985)wurden in einer
beispiellosen Einzelaktion von W
IESENER
(1987) bereits ins Deutsche übersetzt, allerdings leider
nicht besonders fachkundig.
Weitere, ansonsten recht gute Videos aus der Industrie sind leider äußerst beschränkt durch die
jeweilige Produktpalette der Produzenten. Eine lobenswerte Ausnahme bildet hier das Video "Pests
on the Menu", das von P
ECK
(ca 1991) in Zusammenarbeit mit mehreren Pestizidherstellern
erarbeitet wurde.
Die Möglichkeiten der Schädlingsbekämpfer und verwandten Interessengruppen, sich die
notwendigen Informationen kontinuierlich aus objektiver Quelle zu beschaffen, sind also mehr als
dürftig.
1.2.13.3. Öffentlichkeitsarbeit / Veränderungen
... wird zum überwiegenden Teil von Personen geleistet, die - entweder inhaltlich oder methodisch -
selbst wenig davon verstehen, oder die daran verdienen wollen; dementsprechend fällt das
Ergebnis aus.
Verbesserungsvorschläge werden oft als Belehrung, von oben herab, gemacht und meist in einer
sozialen Sprache, die keine der angepeilten Zielgruppen verstehen kann. Wer sie nicht versteht, gilt
schnell als unbelehrbar und ist frustriert - eine denkbar schlechte Voraussetzung für Verbesserung.
Veränderungen, die zu schnell kommen oder erzwungen werden, überfordern. Das Ergebnis ist
Frustration und Erstarren im Gewohnten, auch wenn die Änderung noch so gut gewesen wäre.