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E. Scholl (1995): Integrierte Schädlingsbekämpfung
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2. Diskussion und Empfehlungen
Vergessen Sie was Sie gesagt haben, und vertiefen Sie sich einmal
mit solcher Einstellung in das Problem, wie wenn Sie soeben vom
Mond heruntergestiegen wären und sich erst frisch eine Meinung
bilden müßten. Und dann sagen Sie erst was darüber, wenn
mindestens ein Vierteljahr vergangen ist. Mit freundlichem Gruß,
Ihr A. Einstein.
(an Wolfgang Pauli)
2.1. Natur - Geschädigte - Retter
Die Natur kennt nur Veränderungen. Erst der Kontakt mit den Menschen macht aus Lebewesen
Schädlinge. Nur durch die menschliche Einschätzung werden Veränderungen zu Schäden.
Schädlinge gibt es nur dort, wo die Berührungen stattfinden.
Lebenswerk der integrierten Schädlingsabwehr ist, die Berührungen zwischen den Menschen und
den Lebewesen in ihrer direkten Umgebung zu managen. Sie findet am besten in der Natur statt,
indem sie die Veränderungen beeinflußt. Manchmal läßt es sich nicht vermeiden, Tiere zu töten.
Es sollte aber die Ausnahme werden. Aus dem kämpfenden Retter kann so ein
Veränderungsmanager werden; aus dem immerwährenden Kampf ein lebenslanger Lernprozess.
2.2. Aktionskreise - Knotenpunkte; Empfehlungen und Begründungen
Die häufigsten Ursachen für Schädlingsbefall liegen außerhalb der Reichweite der
Schädlingsbekämpfer. Fast immer ist der Verbraucher derjenige, der die Voraussetzungen ändern
muß, um den Befall auf die Dauer in den Griff zu bekommen. Aus diesem Grund muß "der
Verbraucher" zuerst angesprochen werden, also jeder, der Schädlinge hat.
Dieser Abschnitt betrifft also auch Sie und mich.
2.2.1. Verbraucher
Einfach leben !
Immer mit der Ruhe! Gewöhnen Sie sich daran, hinzuschauen, bevor Sie irgend etwas tun.
Beobachten Sie das Problem eine Weile genau. Beginnen Sie damit, Ihren eigenen Lebensraum zu
untersuchen und die ökologische Nische des Schädlings zu studieren. Genaue Beobachtung kann
ein aufwendiges Studium (nicht völlig, aber beinah ganz) ersetzen. Jeder kann dabei eine Menge
lernen; nicht nur über den jeweiligen Schädling, sondern auch über sich selbst, sowie über die
eigenen Fehler. Mit ausreichenden Kenntnissen versehen, lassen sich fast alle Schädlingsprobleme