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Integrierte Schädlingsbekämpfung 2. Diskussion und Empfehlungen
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... spielt der Verbraucher die entscheidende Rolle bei der integrierten Schädlingsbekämpfung, denn
er muß sie erstmal wollen. Er sucht sich entweder den billigsten Schädlingsbekämpfer oder
denjenigen mit dem besten Kosten-Nutzen-Verhältnis. Er erwartet und bezahlt entweder solide
Facharbeit oder kurzfristige Linderung. Nur das kann geschehen, auf das er sich als Kunde einläßt,
da er ja König ist. Er kann bestimmen, was gemacht werden soll und das vertraglich festlegen.
Dafür gibt es inzwischen einige gute Vorbilder (O
LKOW SKI
&
O
LKOWSKI
1984; F
LINT
&
AL
., 1991;
G
ENERAL
S
ERVICES
A
DMINISTRATION
o.J, 1993; USAREUR unv.).
Wer Wert auf minimalriskante Alternativmethoden legt, muß allerdings möglicherweise Abschied
von der schnellen Lösung nehmen. Es kann einige Zeit dauern, bevor überhaupt etwas
unternommen wird. Bis Erfolge sichtbar werden, vergeht womöglich weitere Zeit, obwohl es
womöglich mehr kostet. Besonders bei der Bekämpfung akuter Schädlingskalamitäten kann das
sehr problematisch werden (s. spezieller Teil).
2.2.2. Schädlingsbekämpfer
2.2.2.1. Berufsbild, Selbst-Verständnis:
Das Berufsbild des Schädlingsbekämpfers in der Gesellschaft und sein Selbstverständnis muß den
veränderten Anforderungen gemäß neu definiert werden. Der neue Schädlingsbekämpfer erreicht
sein Ziel und kann dann, anstatt weiterzukämpfen, zum Objektschützer werden; nach der evtl.
notwendigen Erstbehandung wehrt er höchstens noch ab - eine Art Grenzschutz, da den
Schädlingen die Lebensgrundlagen entzogen werden.
Wer sich damit schwer tut, kann evtl. einen anderen Beruf ins Auge fassen, den er ergreifen kann, falls die
Schädlingsprobleme der Welt aussterben sollten (..., was nicht zu erwarten ist, im Gegenteil; besonders, wenn einer
seine Arbeit gut macht).
Empfehlenswerte Arbeitsziele sind z.B.: dauerhafte Abwesenheit von Schädlingen erreichen,
langfristig Erhaltung der Schädlingsfreiheit sichern.
Einige Veränderungen im einzelnen:
- durch gezielte Information das Interesse/Mitarbeit des Kunden für die Alternativen gewinnen; veraltete
Erwartungshaltungen revidieren, auf den Stand der Technik bringen:
- Die neuen Methoden arbeiten u.U. langsamer und manchmal ohner direkt sichtbaren Erfolg.
- Der Kunde muß was tun, und zwar selber, und trotzdem noch bezahlen.
- Bei erhöhter Wiederbefalls-Wahrscheinlichkeit wird ständige Betreuung empfohlen.
- Abschied von schnellen Patentrezepten zugunsten dauerhafter individuell maßgeschneiderter Problemlösungen.
- Problemlösung kann auch etwas völlig anderes sein als eine Ausbringung von Chemikalien. Möglicherweise ist
es mit einer Verhaltensänderung des Kunden getan.
- Die Bereitschaft des Kunden zur Kooperation bedarf der intensiven stetigen Förderung. Dazu muß der
Schädlingsbekämpfer zunächst die Vorkenntnisse und Erwartungen des Kunden kennenlernen, d.h. zuhören und
auswerten. Entsprechend den Ergebnissen können bei der nachfolgenden Aufklärung Schwerpunkte gesetzt
werden.
- Die dauerhaften Lösungen setzen die Mitarbeit des Kunden voraus. Darüber und über die Art seines Beitrags muß
der Kunde nicht nur informiert werden; er muß seinen Anteil verstehen und verarbeiten, vor allem aber muß er
tatsächlich selbst aktiv werden. Auch muß er darüber in Kenntnis gesetzt werden und verstehen, wenn die
Methoden langsamer wirken, und wenn die Wirkung nicht deutlich sichtbar wird. Weiterhin sollte er mindestens