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Integrierte Schädlingsbekämpfung 2. Diskussion und Empfehlungen
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2.2.2.7. Pestizide:
Der Umgang mit Pestiziden sollte auf Personen mit umfassendem naturwissenschaftlichen
Grundwissen begrenzt werden. Das gilt auch für die Verwendung von Köder- und
Schlupfwinkelpräparaten, da dabei die Wahrscheinlichkeit der Fehlanwendung besonders groß ist
(s.u.: Anwendungstechnik).
Vor jeder Bekämpfung muß der Befall qualitativ und quantitativ erfaßt werden. Pestizide dürfen
nur ausgebracht werden, wo auch Schädlinge nachgewiesen wurden. Vorbeugende Behandlungen
sind grundsätzlich abzulehnen. Falls sie dennoch für nötig gehalten werden, sollte sicherheitshalber
ein entomologisches Gutachten angefordert werden.
Weitere Empfehlungen:
- Kombipräparate vermeiden, Anwendung regelmäßig hinterfragen; (wir sind hier weder in
Indien, noch im Urwald; die Seuchengefahr ist minimal.) (-> Resistenz, Repellenz).
- Von einfach gelösten und emulgierten Formulierungen wird generell abgeraten.
- Anwendungstechnik: Verzicht auf großflächige Pestizidanwendung und Vernebelungen; statt
dessen Schlupfwinkel- und Köderbehandlungen
- Für die Schlupfwinkelbehandlung sind wenig riskante Formulierungen zu verwenden, wie
Köder, Wasseraufschwemmbare Pulver, Stäube, Mikrokapseln und Schaum, etwa in dieser
Reihenfolge.
- Aerosolspray-Anwendungen werden nur von diesen wenig riskanten Formulierungen und in
Verbindung mit einer Spagettidüse zur Schlupfwinkelbehandlung empfohlen. Repellierende
Präparate sollten nur dann eingesetzt werden, wenn die gesamte Innenfläche behandelt werden
kann. Wenn das nicht sichergestellt werden kann, dürfen nur nicht-repellierende Wirkstoffe /
Zubereitungen verwenden.
- Das Abpacken in kleinen Portionen, Fertigpräparate, Portionspackungen und portionierbare
Verpackungen helfen, die Risiken für den Anwender durch Verschütten, Rechen-, und
Mischungsfehler, sowie Transportgefahren weiter zu verringern.
- Pestizide dürfen nur in den Mengen vorrätig gehalten werden, die auch wirklich gebraucht
werden (z.B. 90 Tage). Probleme mit der korrekten Lagerung, Risiken (Brand-, Explosions-,
Kontaminationsrisiko), sowie Überlagerung und damit einhergehender möglicher
Wirkungsverlust werden so vermieden, Entsorgungsprobleme verringert. Immerhin muß
ständig damit gerechnet werden, daß Pestizide ab morgen durch bessere ersetzt werden.
- Wenn neue Pestizide auf den Markt kommen, sollte der Schädlingsbekämpfer, wenn irgend
möglich, zuerst die alten gemäß Gebrauchsanleitung unter Beachtung der jeweils aktuellen
Informationen aufbrauchen und danach erst die neuen anschaffen. Was bestimmungsgemäß
aufgebraucht wurde, muß nicht mehr aufwendig verpackt, transportiert und entsorgt werden.
- Die Giftigkeit des Endproduktes am Zielort gilt es zu beachten. Sie kann von der Toxizität des
konzentrierten Wirkstoffes stark abweichen und ist wesentlich für die praktische Bedeutung der
Giftwirkung. Beispielsweise wird ein Präparat durch Verdünnung oder Zubereitung als