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2. Diskussion und Empfehlungen Integrierte Schädlingsbekämpfung
2.2.4. Stoffe und Energie; Streß
Dieser Abschnitt beleuchtet einen unerwarteten Aspekt der integrierten Schädlingsbekämpfung.
Die folgenden Empfehlungen sind Ergebnis meiner Erfahrungen als Mensch:
- Frieden mit der Chemie schließen: Der Körper ist ein allseits offenes System aus Chemikalien in einer Umwelt
aus Chemikalien. Das gilt es zu ent-decken und anzuerkennen.
- Chemiebewußtsein entwickeln: Jeder Mensch ist anders und reagiert anders auf Alltags-Chemikalien. Chemische
Stoffe sollten wir bewußt wahrnehmen und unnötige Chemikalien vermeiden lernen, indem wir Alternativen
suchen oder sie einfach weglassen. Das gilt für Nahrungsmittel, Körperpflege-, Reinigungs- und Waschmittel,
Wohnchemikalien, Textilien, Alltagsdrogen, Schimmelpilze, Insekten-Bestandteile und
Schädlingsbekämpfungsmittel gleichermaßen.
- Minimale Mengen von bestimmten "Giften" kann ein gesunder Organismus gut verkraften. Abwechslung
minimiert die Risiken zusätzlich. Niemand käme auf die Idee, nur Himbeeren zu essen. Reize sind sogar
lebensnotwendig. Auch hier ist Intuition gefragt. Der Körper sagt uns schon, was er braucht, wenn wir nur
hinhören. Schlechte Gewohnheiten zu erkennen, ist Sache des Verstandes. Es gilt, scharf zu beobachten, um den
lebenserhaltenden und den schädlichen Streß zu unterscheiden, sowie echte Bedürfnisse und schlechte
Angewohnheiten auseinanderzuhalten. Die Wahrnehmungsfähigkeit kann regelrecht trainiert werden und wächst
mit der Übung.
- Wer immer wieder ohne erkennbare Ursache mit Krankheitssymptomen auf bestimmte Umstände, Chemikalien
u.a. reagiert, sollte gelegentlich die eigene innere Einstellung zu den Dingen, die eine maßgebliche Rolle bei der
Wirkung von Chemikalien spielt, hinterfragen und ggf. ändern.
- Vor vielen chemischen und anderen Reizen / Streßfaktoren können wir uns nicht schützen. Die müssen wir in
Kauf nehmen. Andere können wir ganz gut beeinflussen. Auf das Letztere können wir uns konzentrieren, anstatt
im Lamentieren über die untragbaren Zustände zu erstarren.
- Übermäßige Streßfaktoren abbauen steigert das allgemeine Wohlbefinden. Was das angeht, ist jeder Mensch für
sich selbst zuständig. Mit dem allgemeinen Wohlbefinden wächst die Stabilität eines jeden Organismus. Ein
stabiler Organismus verkraftet mehr Streß, gleich welcher Art.
- Volksweisheit und Intuition fördern. Wohlbefinden kann durchaus unbekannte Ursachen haben. Wir wissen
längst nicht alles. Manches können wir intuitiv richtig machen, ohne es völlig zu verstehen.
- Wasser, Luft und Bewegung halten auch die Chemikalien im Körper in Bewegung. Sie helfen verhindern, daß
belastende Chemikalien unnötig lange im Körper bleiben; also viel trinken und Bewegung an der frischen Luft.
- Reizmangel ist genauso gefährlich für den Organismus wie Reizüberflutung. Leichter Streß ist lebensnotwendig.
Was gibt´s Besseres als stimulierende Gerüche und Geschmäcker, gezielt eingesetzt und bewußt genossen?
- Für die Schädlingsbekämpfung gilt: welche Reize / Chemikalien und wieviele verkraftet werden können, wie oft
und wo: das sollte zunächst für jede Einzelsituation neu geprüft werden. Mit wachsender Erfahrung sollten die
Maßstäbe neu definiert werden, auch aus Kostengründen. Die Entscheidungen über die Verwendung sollten aber
flexibel bleiben und regelmäßig hinterfragt werden.
- Suchtbewältigung (E
ICHLER
&
E
ICHLER
1989)
Der gerichtete Umgang mit einzelnen Chemikalien, incl. Pestiziden setzt solides Grundwissen
voraus. Jedem Interessierten steht es frei, sich das zu erwerben. Voraussetzung ist die
Überwindung der "Formel-Phobie" (=Widerwillen gegen naturwissenschaftliche Formeln). Wissen
ist ein gutes Mittel gegen Angst (Die Rheinpfalz, Nov. 1994).