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Integrierte Schädlingsbekämpfung 2. Diskussion und Empfehlungen
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- Entlastung der Gerichte und der Betroffenen von Rechtsstreitereien und Prozesskosten als
Folge von Pestizid-Fehlanwendungen;
- Einsparungen im Gesundheitswesen als Folge konsequenter Risikominimierung;
- vermutliches Nachlassen schwer greifbarer, chronischer Belastungen durch kaum
verständlicher Kombinationswirkungen, an denen Pestizide beteiligt waren;
- Steigerung des Bruttosozialprodukts durch verbesserte Leistungsfähigkeit der Nutzer von
Objekten mit Schädlingsbefall (Beschäftigte in befallenen Objekten nutzen oft einen Großteil
ihrer Arbeitszeit, indem sie das Schädlingsproblem beobachten und darüber sprechen. Trotz
der - durchaus positiven - kommunikationsfördernden, sozialen Komponente ist zu bedenken,
daß diese Zeit für die Arbeit verloren geht (B
ERNDT
&
E
ICHLER
1987). Auch gibt es
angenehmere Wege, die Kommunikation zu fördern);
- dauerhaft längere Nutzungsfähigkeit von Wirkstoffen bei sparsamem, gezieltem Einsatz,
dadurch Pestizidreserven für Not-und Krisenzeiten Ausbleiben der Resistenz.
- Entlastung der Industrie durch Resistenzvermeidung bei korrekter Anwendung (Pestizide
"halten länger". Dadurch freiwerdende Entwicklungsgelder können zur Förderung
minimierender Anwendungsmethoden umgeleitet werden.);
- neue, abwechslungsreiche, hochqualifizierte und befriedigende Arbeitsgebiete mit alternativer
Schädlingsbekämpfung;
- langfristige Verringerung von wirtschaftlichen Schäden als Folge von abnehmendem
Schädlingsaufkommen bei gut bekanntem, minimalem Risiko durch gezieltes Management von
Lebensräumen.
Der Stufenplan im nächsten Kapitel enthält konkrete Vorschläge für die Umsetzung.
2.2.8. Forschung, Lehre
Eine Vorausbedingung für die Entwicklung der integrierten Schädlingsabwehr ist die
Wiederbelebung der "Entomology" im Sinne Schädlingskunde als Fachrichtung der Biologie an den
deutschsprachigen Universitäten. Dies geschieht am besten in enger Kooperation mit
entsprechenden amerikanischen und britischen Parallelinstituten. Die Bereitschaft der dortigen
Kollegen ist groß (S
CHOLL
, unv.). Die dort gemachten, langjährigen Erfahrungen sind unbedingt
weiter zu nutzen. Sie müssen allerdings fortlaufend angepaßt werden.
Voraussetzung für die Zulassung zum Studium der neuen Entomologen sollten sein: Praktika bei
Schädlingsbekämpfern, Industrie und / oder Behörden. Als Übergangslösung ist ein Studium der
Entomologie in UK oder den USA dringend zu empfehlen.
Optimal wäre die Verbindung von praktischer Ausbildung und Studium.
Gute Forschungsarbeit ist auch mit einfachen Mitteln möglich und muß entsprechend honoriert
werden. Das heißt Rückbesinnung vom Technik-Handling zu den Inhalten.
Schwerpunkte sollten sein, gewachsene Schädlingspopulationen in ihren natürlichen Lebensräumen
zu beobachten; Entwicklung neuer Bekämpfungsverfahren ist am natürlichen Verhalten der Tiere
zu orientieren.
Konzentration auf vernetztes Denken muß intensiviert werden. Dazu sei empfohlen:
- zu akzeptieren, daß "ungebildete" Menschen hochentwickelte Fähigkeiten haben können, die
sich der wissenschaftlichen Beweisführung entziehen, d.h. weniger kopflastig sind; (Die
Beweisfähigkeit mancher Phänomene entzieht sich bekanntlich der wissenschaftlichen
Untersuchung. Das könnte mit daran liegen, daß Menschen, die das Stadium der egoistischen