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2. Diskussion und Empfehlungen Integrierte Schädlingsbekämpfung
Der Umstellung von der traditionellen Bekämpfung auf die neue Schädlingsregulierung kommt
besondere Bedeutung bei. Sie muß publikumsnah, schonend, langsam der Reihe nach ablaufen und
erfordert sehr viel Ausdauer und Sensibilität.
Zielgruppen-gesteuerte Kommunikation fördern: Im Privatbereich anzufangen, ist sicherlich eine
gute Idee (Z
IMMERMANN
1987). Jeder hat irgendwelches Ungeziefer, und das Thema Schädlinge ist
von Natur aus (im wahrsten Sinne des Wortes) interessant.
Ursachen für Mißerfolge und Langzeitwirkungen von Veränderungsversuchen waren bis 1971 ein
weites leeres Feld, da einseitig kommerzielles Interesse nur die Erforschung schneller Erfolge
zuließ (R
OGERS
&
S
HOEMAKER
1971). Soweit mir bekannt ist, hat sich daran nichts geändert.
"Langzeit" heißt in der Forschungsalltag 3-4 Jahre (G
EMÜNDEN
, 1992, mündl. Mitt.).
Langzeituntersuchungen sollten Zeiträume von mindestens 20-40 Jahren umfassen.
Interdisziplinäre Gemeinschaftsarbeit verwandter Fachgebiete (z.B. Pädagogik, Soziologie,
Psychologie, Verhaltensforschung, Entwicklungshilfe, Agrarentwicklung, Völkerkunde, Marketing,
Kybernetik) wird dringend empfohlen.
Erfahrungen mit vorhersehbaren Schwierigkeiten dokumentierten F
LINT
& al (1991). Diese
AutorInnen empfehlen die Beachtung folgender Faktoren:
- nicht alles gleichzeitig ändern, sondern der Reihe nach,
- klein anfangen,
- das Neue in bereits Bestehendes einbetten, anstatt es einfach darüberzustülpen.
Öffentlichkeitsarbeit
Da im Bereich der ganzheitlichen Schädlingsabwehr von einem schweren Informationsdefizit der
gesamten Bevölkerung ausgegangen werden muß, wird es für sinnvoll erachtet, den Beginn einer
Aufklärung äußerst einfach, plakativ zu gestalten - etwa so ähnlich wie z.Zt. im Bereich der
Zahnhygiene. Mit der Zeit können dann Materialien für allmählich wachsende Ansprüche
erarbeitet werden.
Folgende Zielgruppen müssen erreicht werden und sind klar zu unterscheiden: Vorschulkinder,
Schulkinder, Journalisten, erwachsene Laien, Schädlingsbekämpfer, Kontrolleinrichtungen,
Studenten, Entomologen, Universitäten. Sinnvolle Materialien sind: Videos, Bilder, Faktenblätter
Loseblattsammlung Handbuch Gegenstandskatalog, Universitäts-Vorlesungen und Seminare im
Fachbereich Biologie, Fachausbildung Entomologie.
Als Maßnahmen im Einzelnen werden empfohlen:
- Schwerpunkte wie Insektenkunde und Lebensraum-Denken mit Schädlingskunde als Beispiel
von der Grundschule an in die Lehrpläne der Schulen einzubinden;
- Öffnung der Alternativen für die Allgemeinheit durch Einbindung der Medien: Radio,
Fernsehen (z.B. `Hallo Ü-wagen´)
- IPM-Kurse für Hausfrauen, Reinigungs- und Wartungspersonal, Häuslebauer,
Lebensmittelbetriebe, Handwerker im Hochbau, Journalisten, Mediziner, Veterinäre, Manager,
Volkshochschule?
- Management von Lebensräumen für Schädlinge im Denken der Tierschützer und Jäger
verankern.
- Pilotprojekte durchführen, um die Umsetzung zu implementieren, beispielsweise ein
Musterproblem (z.B. Schaben) und eine Musterstadt suchen, von da aus weiter entwickeln.