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Integrierte Schädlingsbekämpfung 2. Diskussion und Empfehlungen
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Ein Überblick über deutschsprachige Literatur befindet sich am Ende des Abschnitts Ausbildung
(S. 174).
2.2.12.4. Kommunikation
Teamarbeit und Fachsimpeln müssen bundesweit umfassend und breit gefördert werden. Genauere
Hinweise finden sich u.a. bei F
LINT
&
AL
. (1991).
Für die Diskussion der Methoden wird empfohlen, ein fachöffentliches Forum zu schaffen, wie es
z.B. in Niedersachsen bereits existiert und in der ehemaligen DDR existiert hat. International ist
das das Armed Forces Pest Management Board (AFPMB) der US-Streitkräfte als überragendes
Vorbild für effektive Arbeit zu nennen, sowie im zivilen Bereich die amerikanischen "Extension
Services".
Die weitere Aufbereitung und Nutzung bereits vorhandener Erfahrungen und Informationssysteme
in USA, England u.a. (S
CHOLL
, unv.) ist anzuraten.
Ein Informationsnetz in deutscher Sprache, allgemein verständlich, für alle Interessenten
zugänglich, sollte aufgebaut werden. Die hier vorliegende Arbeit möge als Basis dafür dienen.
Die Kooperation mit verwandten Fachgebieten wird dringend empfohlen. Dazu zählen auch
Fächer, die auf den ersten Blick weit von der Schädlingsbekämpfung entfernt sind, wie Pädagogik,
Soziologie, Psychologie, Verhaltensforschung, Entwicklungshilfe, Agrarentwicklung, Völkerkunde,
Marketing u.a...
Beim Computereinsatz für die Aus- und Fortbildung von Praktikern und Verbrauchern gilt es
besonders sorgfältig abzuwägen, was diesem Personenkreis wirklich nützt, da die Arbeit am
Bildschirm keine Probleme der Wirklichkeit lösen kann.
Ein bürgernaher, regionaler Beratungsdienst wird dringend benötigt. Als Voraussetzung für die
notwendigen Arbeitsfelder ist das Berufsbild-Entomologist zu schaffen (-> Job description:
Entomologist).
2.2.13. Ausblick auf die Grenzen und darüber hinaus
Die Unordnung der Dinge nimmt zu, sie vermischen sich an den Grenzen. Das wurde als
Entropiegesetz zunächst an Chemikalien entdeckt, gilt aber auch für Lebensräume. Leben ist, so
gesehen, lebenslängliches Aufräumen. Nach dem Tod fließt alles auseinander.
Kontakte sind dort möglich, wo verschiedene Materialien und / oder Organismen aneinanderstoßen:
an den Grenzen. Wo immer Verschiedenes aneinander grenzt, findet Reibung, Vermischung und
Austausch statt. Dadurch werden die Oberflächen größer, die Grenzen länger und mehr, der
Grenzbereich wächst. Auf der Grenze sammeln sich Mischungsprodukte: Detritus (= ökologisch:
organischer Bestandsabfall; umgangssprachlich auch Schmutz, Unrat, Gerümpel genannt).
Das meiste spielt sich an den Grenzen ab. Wo also die Grenzen vergrößert werden, kann mehr
geschehen. Die Strukturierung steigert die Vielfalt und die Selbststeuerung eines Systems. Große
Grenzbereiche bieten Abwechslung, Lebensräume, variable Mikroklimata, Artenreichtum,
Vernetzung, Selbststeuerung, Puffer, Stabilität: also genügend Grundlagen für ein reiches Leben.