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2. Diskussion und Empfehlungen Integrierte Schädlingsbekämpfung
Aufgrund der Schwerkraft sind landbewohnende Lebewesen allesamt Grenzbewohner zwischen
Luft und Boden.
Leben ist weiterhin kontrollierte Grenzflächenvergrößerung und Grenzflächen-Management.
In der Natur gibt es zahllose Beispiele für die kontrollierte Oberflächenvergrößerung, mit deren Hilfe das Leben erst
möglich wird: Baum mit Zweigen und Blättern nach oben und mit Wurzeln nach unten, Gehirn mit zahlreichen
Windungen, Darm - Falten, Lunge - Bläschen; alle dienen der Oberflächenvergrößerung, damit mehr gleichzeitig
geschehen kann.
Übertragen auf den menschlichen Lebensraum: Schränke, Regale an der Wand, sämtliche
Einrichtungsgegenstände, herumliegende Papierstapel, Inhalt von Schränken und Regalen - alles
vergrößert die Oberfläche des menschlichen Lebensraumes. Heimtextilien, Teppichboden und
Tapeten vergrößern die Fläche weiter. Wandverkleidungen, Fußleisten und Fliesen bieten mit ihren
Rückseiten Oberflächenvergrößerungen und damit Lebensräume, die ständig außerhalb der
Reichweite des Menschen bleiben. Als weitere derartige Lebensräume sind zu nennen:
Rohrdurchbrüche, hohle Möbelteile, abgehängte Decken; Garten, ...
Unordnung vergrößert die Oberflächen, die Vermischung, den Schmutz - und damit die
Lebensräume.
Wer Schädlinge hat, hat - so gesehen - eigentlich nur Grenzschwierigkeiten.
Entsprechend weniger kann geschehen, wo Grenzen begradigt / verkürzt werden.
Kurz zusammengefaßt: man kann die Ereignisse überschaubar machen oder verhindern, indem man
entrümpelt, aufräumt, saubermacht, abschließt: All das trägt zur Verkürzung von Grenzen bei.
Für die Begradigung gibt es verschiedene Möglichkeiten. Sie können den natürlichen Grenzen
folgen oder willkürlich gezogen werden. Europäische Menschen neigen zu willkürlichen,
rechteckigen Grenzen.
Beispiele für willkürlich gezogene Grenzen sind neue Häuser, Zäune, Flurbereinigung, Flußbegradigungen etc..
Demgegenüber verlaufen alte Landesgrenzen oft an Gebirgen oder Flüssen entlang.
Willkürlich gezogene Grenzen überschreiten i.d.R. die natürlichen. Besonders, wenn sie große
Gebiete umspannen, schließen sie auch unterschiedliche Lebensräume mit verschiedenen
Lebensbedingungen ein. Wo die Grenzen zu groß sind, erschwert das die Handhabung der
eingegrenzten Lebensräume und rächt sich auf die Dauer. Man sagt dann, `die Natur schlägt
zurück´. Als Nachteil willkürlich gezogener Grenzen und großer Gebiete im menschlichen
Nahbereich wird oft angesehen, daß die Umgebung als steril und ungemütlich empfunden wird; es
herrscht Krankenhausatmosphäre.
Andere Kulturen, wie zum Beispiel die australischen Ureinwohner, halten sich grundsätzlich an die
natürlichen Grenzen (Mollison 1981).
Unter diesem Aspekt sollte die Schädlingskunde mit der Erforschung der Grenzen beginnen.
(-> Lebensraum, Zuständigkeiten)