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Integrierte Schädlingsbekämpfung 2. Diskussion und Empfehlungen
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2.3. Zu beachten
Bei allen Betroffenen muß ein extremer Anfangswiderstand überwunden werden. Danach werden
die Methoden schnell zu Selbstläufern, da das Thema äußerst vielseitig interessant ist und jeden
angeht.
Auf Querverbindungen muß bei der Schädlingsbekämpfung besonders geachtet werden, bzw.
Lücken in Verbindungen, da Schädlinge genau diese bewohnen und nutzen. Das gilt für Materie,
Energie und Kommunikation gleichermaßen.
In größeren Betrieben müssen die direkt Betroffenen und die Manager über alle Möglichkeiten
informiert werden und an der Wahl der Alternativen beteiligt werden. Es gibt u.a. schnelle, billige,
dauerhafte, teure, sichere, einfache, komplizierte, umweltschonende, giftarme Lösungen für alle
möglichen Probleme. Entscheidungen dürfen aber auf keinen Fall allein der Firmenleitung
überlassen werden. Die unterschiedliche Belastbarkeit verschiedener Betroffener muß bei der Wahl
der Methoden berücksichtigt werden. Nicht jeder Kunde ist gleichermaßen in der Lage,
komplizierte Verfahren zu verkraften. Hier trägt der Schädlingsbekämpfer die große
Verantwortung, darüber zu entscheiden, welchen Komplikationsgrad er dem Kunden zumuten kann,
ohne den Bekämpfungserfolg zu gefährden.
Kontinuität im Management, Organisation: kurze Wege, direkte Kommunikation; dichte
Vernetzung der einzelnen Betriebseinheiten erleichtern die Schädlingsbekämpfung. Voraussetzung
dafür ist ein Vertrauensverhältnis zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern.
Die Sicherheit der Versorgung mit Pestiziden ist ein zentraler, wenig beachteter Schlüssel. Dabei
können auf einfache Weise große Mengen eingespart werden. Ggf. muß die Nachschubsicherung
verbessert, Lieferfristen verkürzt werden.
Naturgemäß sind ortskundige Schädlingsbekämpfer und Entomologen besser und arbeiten schneller
und sicherer. Daher sind Dauerstellungen anzustreben. Sehr günstig ist natürlich, den regionalen
Dialekt zu beherrschen. Vertrauen wächst erst mit der Zeit.
Die (grundsätzlich vorauszusetzende) Bereitschaft sämtlicher Betroffener zu schonendem
Schädlingsmanagement kann grundsätzlich als vorhanden angesehen werden. Sie muß allerdings
zunächst geweckt werden und bedarf stetiger Förderung und Motivation. Wer sich allerdings in
seiner Haut wohlfühlt, bleibt dieser Art Inhalten auch ohne äußere Einwirkungen von sich aus
dauerhaft erhalten.
Diejenigen, die Methoden beschreiben, sind von denen, die damit umgehen sollen, i.d.R.
gedanklich zu weit entfernt, um verstanden zu werden. Zusätzlich wird - meist halbbewußt - eine
für Laien unverständliche Sprache benutzt. Dahinter steckt möglicherweise eine berechtigte
Unsicherheit und Angst vor der kritischen Auseinandersetzung der Praktiker mit den Beiträgen der
Theoretiker. Ich bin sicher, daß die meisten Referenten um das Problem wissen. Die Verbesserung
in diesem Bereich kann nur von den Referenten ausgehen, die sich ständig um einfache und klare
Ausdrucksformen bemühen müssen.
Weit verbreitete Tabuisierung der Schädlingsprobleme ist ein Deutschland-spezifisches Problem.
Wo es gelingt, sie zu überwinden, wird die Lösung der Probleme wesentlich erleichtert.