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Integrierte Schädlingsbekämpfung 2. Diskussion und Empfehlungen
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- Informationsmangel. Kardinalfehler ist die mangelhafte Aufklärung der Betroffenen, für die
oft niemand zuständig ist; oft wird die falsche Person aufgeklärt / informiert; auch sind die
Informationen oft fehlerhaft.
- Überforderung von Schädlingsbekämpfern und Kunden mit Innovationen;
- Managementfehler bei Konjunkturschwäche und zunehmendem Konkurrenzdruck;
Einsparungen bei Hilfskräften, daraus folgende Frustration und häufiger Personalwechsel,
Entfremdung (Nahrungsvor- und Nachbereitung, Reinigung, Vorratshaltung, Lager-, und
Wartungsarbeiten) führt zu weiteren Folgeproblemen, u.a.;
- Im einfachsten Fall einfache Unwissenheit, Wunsch nach individueller Naturnähe. In der
Regel kommen dazu: entgleiste Emotionen münden in Menschenhaß/Tierliebe;
Konkurrenzdruck, Vereinsamung, Psychostress, Überforderung führen zu Frustration und
Gleichgültigkeit, oft in Verbindung mit Drogenmißbrauch (von Alkohol bis Arbeit!);
- Naturferne Lebensweise der Betroffenen besonders im städtischen Bereich bedingt wachsende
Entfremdung.
Lange, womöglich parallele Organisationsketten, schlecht vernetzt, stellen die Wirkung von
Maßnahmen stark in Frage.
Wenn nur geringe Pestizidmengen gelagert werden dürfen (Eine der Forderungen bei der US-
Army), kam es gelegentlich zu Versorgungsengpässen, wo der Nachschub schlecht organisiert war.
Das kann im Gegenzug leicht wieder dazu führen, daß Gifte gehortet werden.
In einem mir bekannten (Militär-)Standort ist die Abteilung für Schädlingsbekämpfung aufgelöst
worden, da der Schädlingsbekämpfer das Ziel (Schädlingsfreiheit erhalten) tatsächlich dauerhaft
erreicht hatte. Dummerweise gab es auch Jahre nach seiner Entlassung nicht wieder
Schädlingsprobleme, da seine ehemalige Dienstvorgesetzte - aus Angst vor einer möglichen
Kalamität - seine Arbeit praktisch nebenher übernommen hatte. So war es natürlich auch nicht
möglich, den Standortkommandanten von der Notwendigkeit der geregelten Schädlingsbekämpfung
zu überzeugen.
Eine Begründung für Beschaffung von Ködermaterialien (z.B. Erdnußmus, Marmelade, Speck, rohe
Leber, Babypuder, Mehl oder Haferflocken, Strohhalme - je nach Zielart) und Werkzeug (Mixer,
Staubsauger, Bohrmaschine, Leiter) als Arbeitsgeräte des Schädlingsbekämpfers kann sich
außenstehenden Geldgebern gegenüber als schwierig erweisen, muß aber dennoch durchgesetzt
werden.
Bei bestimmten Aufgaben häufen sich erfahrungsgemäß die Probleme mit Zuständigkeitsgrenzen
und Kompetenzschwierigkeiten: z.B. Reinigung von Mülleimern im Sommer, Entsorgung von
Tierkadavern, Sperrmüll-Abfuhr, Schlupfwinkel versiegeln (bes. Sanitär und Elektro),
Gebäudereinigung, Entrümpelung und Renovierung. Insbesondere das Überhandnehmen von
Stubenfliegen, Kanalratten, verwilderten Haustauben, streunenden Hauskatzen, Katzenflöhen und /
oder der Mückenart C. pipiens sind deutliche Hinweise darauf, daß bei der Aufteilung der
Verantwortungen etwas nicht stimmt.
In großen Betrieben ist die Wahrscheinlichkeit groß, daß schnellwechselnde austauschbare
Ansprechpartner ohne echtes Interesse an einer Lösung der Probleme die Arbeit ausbremsen.
Erfahrungen bleiben dann oberflächlich oder versanden. Derartige Betriebe sind wie Fässer ohne
Boden, was die integrierte Schädlingsbekämpfung angeht. Hier empfiehlt sich in erster Linie
Geduld und Ausdauer, bis der Befall / das Interesse ausreichend groß geworden ist und ein
zuverlässiger Ansprechpartner gefunden werden kann. Inzwischen gibt es genug andere Aufgaben,
die real lösbar sind.