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3. Stufenplan für die Umsetzung Integrierte Schädlingsbekämpfung
Arbeitsalltag immer wieder zu Massenbefalls-Situationen, die ein sofortiges Handeln
erforderlich machen.
In derartigen Fällen, in denen selbst hartgesottene Naturfreunde i.d.R. voller Panik nach
möglichst schnell wirkenden Pestiziden verlangen, muß sich die integrierte
Schädlingsbekämpfung allen Unkenrufen zum Trotz konsequent auf die minimalriskante
Pestizidanwendung beschränken. Diese Situationen, die zur Zeit noch die Hauptarbeit der
Schädlingsbekämpfer darstellen, müssen aber zur Ausnahme werden. Vorschläge für
risikominimierende Eigenschaften von Pestiziden finden Sie weiter hinten in diesem Bericht (s.
Methoden, S. 87). Gleichzeitig mit dieser Erstbehandlung ist der nächste Schritt anzustreben:
- Die langfristige, dauerhafte, vorbeugende Problemlösung ist die eigentliche Hauptarbeit des
integrierten Schädlingsbekämpfers. Ihr ist das Hauptaugenmerk zu widmen. Dazu gehört eine
gründliche Reinigung, Aufräumen, das Abschneiden / Verschließen der Eintrittspforten, und
ggf. Renovierungsarbeiten (= die Modifikation der ökologischen Nischen).
Der vorliegende Bericht gibt diese Informationen, bzw Hinweise auf weitere
Informationsquellen (s. Methoden, S. 75 ff., Anhänge).
Diese Arbeiten leiten über zum ...
- ... Service-Vertrag im Anschluß an die Befallstilgung: Regelmäßig durchgeführte Inspektionen
(s.u.) stellen das eigentliche Ziel, nämlich die dauerhafte Fernhaltung der Schädlinge aus
gefährdeten Objekten sicher.
- Außerdem gibt es die zahlreichen Situationen, in denen die Ursache für den Schädlingsbefall
außerhalb der Reichweite des Schädlingsbekämpfers liegen. In diesen Fällen kann der
Schädlingsbekämpfer, der den Auftrag dazu bekommt, zusammen mit einem zuständigen
Fachentomologen eine interdisziplinäre Strategie zur Behebung der Ursache erarbeiten (lassen)
oder die Beseitigung der Ursache in Zusammenarbeit mit den jeweils zuständigen Stellen
verantwortlich leiten. Falls das nicht möglich ist, muß er die Behandlung ablehnen.
Auf keinen Fall darf es der Schädlingsbekämpfer, wenn er die Ursache eines
Schädlingsbefalls nicht erreichen kann, bei einer kurzfristigen,
symptomatischen Linderung belassen, da das die Lösung des Problems nur
unnötig hinauszögert
.
Zur ständigen Betreuung / Beratung der Schädlingsbekämpfer müssen zuständige Fachentomologen
(s.o.) in ausreichender Zahl bundesweit eingestellt werden (vgl. S. 51), wie dies z.B. in
Niedersachsen, Hamburg, Berlin bereits bereits geschehen ist, aber mit weitem Aufgabengebiet, wie
folgt:
- Sie sorgen dafür, daß der jeweils aktuelle Stand der Technik, der von der oben beschriebenen
Zentralstelle mit ihrer Zuarbeit erarbeitet wurde, verbreitet und umgesetzt wird.
- Sie erarbeiten Pläne zur gezielten betrieblichen Schädlingsabwehr, führen umfassende
Inspektionen bei Schädlingsbekämpfungs-Betrieben und den betreuten Betrieben durch,
überarbeiten vorhandene Pläne und Verträge für die integrierte Schädlingsabwehr in
regelmäßiger Abstimmung untereinander und mit der Zentralstelle.
- Sie sind für die örtliche Verbreitung von Information zuständig; führen Seminare und
Workshops durch und stehen als Berater für besondere Probleme zur Verfügung.
- Sie leisten vor-Ort-Beratung in besonderen Situationen, veranlassen / erteilen
Ausnahmegenehmigungen für bestimmter Mittel und Verfahren (= rezeptpflichtige
Verordnungen)
- Die Überarbeitung von Verträgen zur Schädlingsbekämpfung ist ebenfalls Aufgabe der
Entomologen.