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Integrierte Schädlingsbekämpfung 3. Stufenplan für die Umsetzung
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- Sie koordinieren die Arbeit der verwandten Kontrolleinrichtungen im Bereich
Schädlingsabwehr, z.B. die der Veterinär- Gesundheits- und Pflanzenschutzämter, sowie
medizinische Vorsorgeuntersuchungen und die Sicherheitsprüfung der persönlichen
Schutzausrüstung.
All diese Arbeiten erfordern umfassende Sachkenntnisse, die Geschäftsleuten, um die es sich bei den
Schädlingsbekämpfern durchweg handelt, nur in sehr begrenztem Umfang zugemutet werden können. Die freiwillige
Selbstkontrolle ist damit jedenfalls hoffnungslos überfordert.
Die zuständigen Fachentomologen müssen alle von ihnen betreuten Schädlingsbekämpfer innerhalb
von allerhöchstens 2 Autostunden erreichen können.
3.3.2. Alternativen
Dieser Abschnitt betrifft insbesondere den Gesetzgeber,
außerdem jedermann, der an diesem Thema interessiert ist.
Das derzeit verbindlich angeordnete Tilgungsprinzip des Seuchengesetzes ist um ein Vorsorge- und
ein Risikominimierungs-Prinzip zu ergänzen; dabei muß zwischen vorbeugenden und reagierenden
Maßnahmen klar unterschieden werden; für Arten, die außerhalb der menschlichen Behausungen
leben, müssen auch Schadschwellen berücksichtigt und festgelegt werden. Vorbeugende Methoden
sind in jedem Fall den reagierenden vorzuziehen und müssen mit öffentlichen Mitteln gezielt
gefördert werden.
Begründung:
- Das Problem bei der Umsetzung vorbeugender Maßnahmen besteht darin, daß etwas getan werden muß, bevor ein
Schaden - und somit auch ein klar ersichtlicher Grund, irgendetwas zu tun - augenscheinlich wird.
- Der gesamte, riesige Personenkreis von Erbauern, Eigentümern, Besitzern und Verwaltern von Gebäuden und dort
insbesondere die Bereiche Gebäudereinigung, Wartung und Renovierung gehört zur Zielgruppe derjenigen, die als
potentielle Kunden der Schädlingsbekämpfer in Frage kommen
- Die notwendigen Maßnahmen haben oft scheinbar nichts mit Schädlingsbefall zu tun oder erscheinen zuächst
unrealistisch. Hier einige Beispiele für indirekte Maßnahmen der Schädlingsvorbeugung aus dem kommunalen
und / oder betrieblichen Bereich:
- Auf privater, betrieblicher und auf kommunaler Ebene müssen sämtliche Aufgaben im Zusammenhang mit
der Abfallbehandlung lückenlos durchorganisiert werden. Dabei müssen mögliche technische und personelle
Ausfälle vollständig berücksichtigt werden.
- Hilfskräfte müssen in den Betrieben ständig in ausreichender Zahl zur Verfügung stehen und für ihre Arbeit
hinreichend motiviert sein, um dem schnellen Personalwechsel vorzubeugen.
- Konstruktionsmängel an Gebäuden und in der Kanalisation müssen fachmännisch behoben werden.
Besonders in der Kanalisation, die fast in allen Städten veraltet und schadhaft ist, ist dies problematisch, aber
überaus wirksam. Die Zahl der Ratten hängt direkt davon ab.
Diese Punkte müssen besonders bei Konjunkturschwäche und wachsendem Konkurrenzdruck beachtet werden.
Dann wächst nämlich ganz allgemein die Großzügigkeit in den genannten Bereichen und damit die Lücken, sowie
in der Folge die Schädlingsprobleme.
- Viele Aspekte der integrierten Schädlingsabwerhr haben ihre Entsprechungen im psychosozialen Umfeld der
Menschen und sind nur auf gesamt-gesellschaftlicher Ebene - von der Politik bis zum Individuum - lösbar. Als
Stichworte seien hier genannt Streß-, Angstbewältigung, Nachbarschaftshilfe, Gemeinschaftssinn,
Verantwortungsbewußtsein und Naturnähe.