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3. Stufenplan für die Umsetzung Integrierte Schädlingsbekämpfung
Der Gesetzgeber wird weiterhin aufgefordert, die Methoden der integrierten Schädlingsabwehr
jenseits der Pestizidanwendung (z.B. den mechanischen Ausschluß von Tieren aus Häusern,
Wärme, Trockenheit, Staubsaugen, Fallen stellen u.v.m.) den chemischen Methoden in jeder
Hinsicht gleichzustellen. Auf jeden Fall müssen sie in die Listen der für behördlich angeordnete
Entwesungen zugelassenen Methoden aufgenommen werden, sodaß sie bei jeder
Bekämpfungsentscheidung augenfällig werden.
Wo ein Schaden bereits eingetreten ist, muß er zunächst behoben werden. Bei der Beseitigung von
vorhandenen Schädlingen kann die Risikominimierung, die auch in diesen Situationen durchaus
möglich ist, nur mit Hilfe der oben genannten steuernden Staatseingriffe bewältigt werden.
Begründung:
In diesen Situationen erfordert der Verzicht auf Pestizide ein übermenschliches Maß an Überzeugungsarbeit, die von
den Schädlingsbekämpfern nicht aus eigener Kraft geleistet werden kann. Die traditionelle Erwartungshaltung des
Kunden an den Schädlingsbekämpfer wird nämlich auf vielfache Weise enttäuscht:
- Die minimalriskanten Methoden erfordern Eigenarbeit des Auftraggebers. Darüberhinaus muß der Kunde bereit
sein, seine Gewohnheiten zu ändern, sofern diese das Wachstum der Schädlinge begünstigen.
- Für Unbelehrbare muß vorgesorgt und mitgedacht werden. Meist gibt es irgendjemanden, der nicht mitmacht und
dadurch den Erfolg einer Maßnahme sabotieren kann. In den seltensten Fällen steckt eine böse Absicht dahinter,
sondern fast immer Überforderung, Unwissen, Trägheit, Gedankenlosigkeit oder sogar das Bedürfnis, etwas Gutes
zu tun. Das muß ständig neu klar gemacht werden.
Einige Beispiele für regelmäßige Fehler Unbelehrbarer und mögliche Lösungen, die theoretisch sehr einfach
erscheinen, im Alltag aber schwierig zu realisieren sind:
Fehlerquelle:
Tauben und Katzen anfüttern und in Gebäude hereinlassen
:
Lösungsvorschlag: Tauben in Taubenschläge umsiedeln und ihnen die Eier wegnehmen; Katzen
sterilisieren und wieder freilassen. In beiden Fällen können die Tiere ohne Bedenken
weiter gefüttert werden und halten gleichzeitig die Reviere besetzt, ohne sich jedoch
weiter zu vermehren.
Problem:
Jemand muß regelmäßig die Eier einsammeln und die Schläge säubern; Katzen
müssen zum Sterilisieren eingefangen werden.
Fehlerquelle:
Abfallbehälter offen lassen, besonders nachts; Abfälle herumliegen lassen
:
Lösungsvorschlag: Wohnblock-weise Abfalleimer-Schließdienst einrichten und Abfälle regelmäßig
einsammeln.
Problem:
die menschliche Trägheit
Fehlerquelle:
unsaubere Haushaltsführung, mangelhafte Reinigung; Anhäufungen von
Sperrmüll und Schrott in unmittelbarer Nähe von Gebäuden
:
Lösungsvorschlag: Gebäudereiniger und / oder Entrümpelungsunternehmen beauftragen
Problem:
Sammelleidenschaften, Besitz- und Rechtsansprüche
- Die Alternativen brauchen z.T. wesentlich mehr Zeit als die herkömmlichen Methoden;
- Die Anfangskosten für die alternativen Methoden sind hoch;
- Mangels sachkundiger Betreuung bei der Einführung alternativer Methoden ist die Unsicherheit groß;
Rückschläge sind die Regel und bewirken die Rückkehr zu bewährten Methoden.
- Oft bleibt der Bekämpfungserfolg unsichtbar; er äußert sich ausschließlich durch das Ausbleiben der Schädlinge -
ein werbe-psychologisches Problem, das unbedingt berücksichtigt werden muß, da viele Bekämpfungsaktionen
von Rachegedanken geprägt sind.