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Integrierte Schädlingsbekämpfung 3. Stufenplan für die Umsetzung
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An die Stelle des Schädlingstodes per Knopfdruck muß peu à peu die Bereitschaft gesetzt werden,
Schädlingsabwehr als lebenslangen, individuellen Lernprozess zu akzeptieren.
Eine kurzfristig lindernde Behandlung sollte nur dann durchgeführt werden dürfen, wenn
gleichzeitig weitere Maßnahmen zum Schutz vor Wiederbefall garantiert werden. Deren Ziel muß
sein, die Pestizid-Verschwendung dauerhaft zu verhindern. Das kann eigentlich nur erreicht
werden, indem die Bereitschaft der Schädlingsbekämpfer zur Wiederholung kurzwirksamer
Maßnahmen drastisch gesenkt wird, wo nicht gleichzeitig die Ursachen für den Befall behoben
werden.
Das kommt einer Arbeitsverweigerung gleich und erfordert ein Maß an Zivilcourage, das von Geschäftsleuten nicht
erwartet werden kann, die von ihrer Arbeit leben wollen. Zusätzlich wächst mit zunehmendem Alter die Tendenz des
Menschen, beim Bewährten zu bleiben. Das gilt auch für Schädlingsbekämpfer und ihre Kunden. Deshalb wird sehr
viel Energie benötigt, um derartige Veränderungen umzusetzten, und seien sie noch so gut.
Hier ist wieder der Gesetzgeber gefordert. Denkbar wäre beispielsweise, die Vorbeugung vor
Wiederbefall als Bedingung für den Pestizideinsatz gesetzlich vorzuschreiben. Falls dieser Bereich
sich selbst überlassen bleitbt, wird auch weiterhin die reaktive, nur kurzfristig lindernde
Schädlingsbekämpfung die Regel bleiben.
Ein völliger Verzicht auf Pestizide ist in der wirklichen Welt des gegenwärtigen Alltagslebens
völlig unrealistisch, obwohl die Möglichkeit zum Verzicht auf Pestizide muß immer als Fernziel
angestrebt und ständig in Erinnerung gerufen werden muß. Pestizide zur Schädlingsbekämpfung
müssen auf absehbare Zeit als fester Bestandteil der Wirklichkeit akzeptiert werden. Deshalb
müssen sie auch bei der integrierten Schädlingsabwehr differenziert beurteilt werden.
Die neutrale Einschätzung der Pestizide muß sogar höchste Priorität bekommen, da fast alle
potentiellen kritischen Betrachter einen völligen Mangel an Bereitschaft zur differenzierten
Beurteilung der Pestizide gemeinsam haben. Diese Aufgabe kann möglicherweise im Rahmen des
Zulassungsverfahren geleistet werden.
Aus diesem Grund werden die Pestizide in diesem Bericht sehr
ausführlich behandelt (s. Pestizide, S. 95 ff)
.
3.3.3. Pestizidanwendung
Dieser Abschnitt richtet sich an die Schädlingsbekämpfer,
an den Gesetzgeber und an die Hersteller von Pestiziden.
Wo die Pestizidanwendung für notwendig erachtet wird, müssen strenge Maßstäbe an die
Qualitätssicherung der Arbeit angelegt werden. Die minimalriskanten Wirkstoffe, Zubereitungen
und Anwendungsformen sind für die jeweilige Situation zu ermitteln und auszuwählen. Der
jeweilige Stand der Technik ist bei Bedarf oder regelmäßig neu zu erfragen. In Anbetracht der
rasanten Entwicklung werden Zeiträume von 1-2 Jahren empfohlen.
Die Vorschläge zur Risikominimierung beim Einsatz von Pestiziden werden wie folgt zusammengefaßt:
- Für minimalriskante Mittel (z.B. Seife, Sand, Pflanzenöl), deren Vermarktung sich nicht "lohnt", wird ein
behördlich angeordnetes Zulassungsverfahren benötigt.