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Integrierte Schädlingsbekämpfung 3. Stufenplan für die Umsetzung
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und damit einhergehender möglicher Wirkungsverlust werden dadurch vermieden, Entsorgungsprobleme
verringert. Auch muß ständig damit gerechnet werden, daß Pestizide ab morgen durch Bessere oder durch neue
Methoden ersetzt werden.
- Wenn neue Präparate auf den Markt kommen, werden zunächst die alten, sofern irgend möglich, gemäß
Gebrauchsanleitung unter Beachtung der jeweils aktuellen Informationen aufgebraucht. Danach erst werden die
neuen angeschafft. Was bestimmungsgemäß aufgebraucht wurde, muß nicht mehr im großen Stil kostenintensiv
gelagert, transportiert und entsorgt werden.
- Wenn Bekämpfungsprobleme (z. B. Begasung) entfallen, werden die dazu bestimmten Pestizide an diejenigen
weitergegeben, die sie noch brauchen können, evtl. an einen gemeinsamen Lager-pool mehrerer
Schädlingsbekämpfungsfirmen, betreut durch den zuständigen Fachentomologen.
- Auch nach falscher Lagerung oder Überlagerung (Laboruntersuchung) kann ein Wirksamkeitstest zeigen, ob
Pestizide noch wirksam sind und in welcher Rate. Oft ist es völlig ausreichend, die Verdünnung zu ändern, um
noch die gewünschte Wirkung zu erzielen.
- Zur Entsorgung werden Reste produktweise getrennt gesammelt und beschriftet. Auf keinen Fall dürfen
verschiedene Stoffe gemischt gesammelt werden.
- Bei der Entsorgung von Pestiziden sind die folgenden Risiken sorgfältig gegeneinander abzuwägen:
- das Risiko der Luftverschmutzung bei Hochtemperatur-Verbrennung durch mögliche
Verbrennungsrückstände, die in geringen Mengen entstehen und
- die latente Bedrohung von Lebewesen durch riesige deponierte Giftmengen, sobald diese aus der ständigen
Kontrolle geraten, und sei es nur vorübergehend.
Diese Fragen wurde von den amerikanischen Streitkräften bisher immer wieder eindeutig zugunsten der
Verbrennung entschieden.
- Exakte und nachvollziehbare Dokumentation über Giftbeschaffung und -verwendung, die 10 Jahre lang
aufbewahrt wird, muß verlangt werden. Diese Dokumentation kann elektronisch stattfinden. Das setzt aber
voraus, daß jeder Schädlingsbekämpfer einen Computer hat und auch damit umgehen kann. Leider aber kann das
nicht vorausgesetzt werden. Außerdem erfordert die Eingabe viel Zeit. Aus diesen Gründen erscheint die
elektronische Dokumentation über Gifteinsätze derzeit nicht praktikabel. Ein Giftbuch tut´s auch. Beispiele für
die Dokumentation finden sich in der amerikanischen Gesetzgebung über Schädlingsbekämpfung und im
Handbuch der US-Streitkräfte in Europa.
- Giftläger und Mischräume sind nach dem Stand der Technik einzurichten.
- Für Notfälle müssen auch starke Gifte schnell verfügbar sein. Aber nicht jeder Schädlingsbekämpfer muß diese
ständig vorrätig haben. Hier genügen wenige zentrale Läger mit verantwortungsvollen Entomologen als Betreuer,
die allerdings viel Handlungsspielraum brauchen.
- Die folgenden zusätzliche Maßnahmen zum vorbeugenden Vergiftungsschutz der Schädlingsbekämpfer werden
dringend empfohlen:
- Atemschutzgeräte und Schutzkleidung der Schädlingsbekämpfer, sowie deren korrekte Anwendung müssen
von einem Sicherheitsbeauftragten regelmäßig überprüft werden.
- Medizinische Vorsorgeuntersuchungen für Schädlingsbekämpfer mit Bestimmung der Cholinesterase im
Blut und im Serum, Lungenfunktionstest, Belastbarkeitsprüfung müssen in regelmäßigen Abständen
durchgeführt werden, mindestens jedoch einmal im Jahr, möglichst im Sommer.
Insbesondere die USAEHA (US Army Environmental Health Agency) und das AFPMB (Armed Forces Pest
Management Board) haben in diesem Bereich mit ihren Technical Guides und Technical Information Memorandums
hochqualifizierte Vorarbeit von unschätzbarem Wert geleistet. Näheres und weiterführende Informationen hierzu
finden Sie weiter unten in diesem Bericht (Pestizidanwendung).
Mit dieser Strategie kann der Pestizidverbrauch auf schätzungsweise 2% der vorher benötigten
Menge verringert werden (G
REENE
1992). Die zu erwartenden Umsatzverluste der Hersteller
können durch Einsparungen bei der Entwicklung neuer Wirkstoffe, die bekanntlich immer teurer
wird, und mit höheren Preisen für differenzierte Zubereitungen der vorhandenen Wirkstoffe wieder
ausgeglichen werden.
Da die bereits existierenden Wirkstoffe bei optimalem Einsatz dauerhaft wirksam bleiben, können
weitere Mittel an der Neuentwicklung von Wirkstoffen eingespart werden. Die dadurch
freiwerdenden Gelder dürften zur Umsetzung der integrierten Schädlingsbekämpfung vorerst voll
ausreichen.