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3. Stufenplan für die Umsetzung Integrierte Schädlingsbekämpfung
Gleichzeitig wachsen die Bekämpfungserfolge und die zu erwartenden Zeiträume der
Befallsfreiheit, während die Kontaminations- und Vergiftungsgefahren schlagartig vernachlässigbar
gering werden.
Nach meiner Erfahrung haben die Menschen - selbst bei großem anfänglichem Widerwillen - ein
natürliches Interesse an Schädlingskunde und integrierter Schädlingsabwehr. Zusammengenommen
sind dies eigentlich optimale Voraussetzungen für den langfristigen Umsetzungserfolg.
3.3.4. Umdenkbedarf
Die integrierte Schädlingsabwehr ist nicht mit der traditionellen Schädlingsbekämpfung zu
vergleichen und unterscheidet sich auch wesentlich vom integrierten Pflanzenschutz. Sie setzt
daher ein grundsätzliches Umdenken bei allen voraus, die damit zu tun haben
Die Ziele der integrierten Schädlingsabwehr im nicht-agrarischen Bereich sind:
- meist die Tilgung des Befalls, Schadschwellenprinzip und Befallsminderung nur ausnahmsweise,
- die Entstehung von Schädlingswachstum durch geeignete Umweltbedingungen bereits im Vorfeld zu verhindern,
- existierende Umweltbedingungen, die Schädlingswachstum begünstigt oder ermöglicht haben, so zu verändern,
daß die zukünftige oder gegenwärtige Entwicklung der Schädlinge verhindert oder gebremst wird,
- die Risiken und den Aufwand bei der Bekämpfung bereits vorhandener Schädlinge gering zu halten,
- durch die individuell am besten geeignete Kombination von Veränderungen in Verbindung mit regelmäßigen
Befallskontrollen das Fernbleiben von Schädlingen aus vormals befallenen und aus gefährdeten Objekten
dauerhaft zu erhalten.
Die Kombination von mehreren Maßnahmen ist in jedem Fall anzustreben, denn sie macht das
Gesamtverfahren sehr robust, preisgünstiger und schonender für Mensch und Umwelt.
Die Vorteile kombinierter Maßnahmen der integrierten Schädlingsabwehr:
- Veränderungen der Umweltbedingungen verstärken einander, wenn sie kombiniert werden. Deshalb muß für jede
einzelne Veränderung wesentlich weniger Aufwand betrieben werden, wenn mehrere Veränderungen gleichzeitig
wirken. Keine der Veränderungen muß für sich alleine wirken. Außerdem wirken immer noch andere, falls eine
von mehreren Veränderungen einmal vorübergehend ausfällt. Dadurch sinkt die Versagerquote. Die
Kombination der einfachen Mittel macht so auf die Dauer die drastischen Einzelmaßnahmen überflüssig.
- Nahrungsentzug, fortgesetzte Störungen, Trockenheit, Wärme / Kälte und Abdichtung gegen Neubefall sind
Beispiele für einfache Veränderungen, die auf fast alle Schädlinge eine sichere Kombinationswirkung ausüben.
Nahrungsentzug alleine würde, sofern er mit hinreichender Intensität gelänge, bei vielen Arten auch ohne weitere
Veränderungen ausreichen, um alle Schädlinge schnell zu beseitigen. Das ist aber selten realisierbar oder sehr
aufwendig. Mit den übrigen Veränderungen ist es genauso.
Die Umsetzung benötigt anfangs einen erheblichen Energieaufwand an Information und Betreuung.
Um eine Entwicklung in Gang zu bringen, werden hochmotivierte, sehr ausdauernde und
hochqualifizierte Fachkräfte gebraucht. Um diese Entwicklung dauerhaft in Gang zu halten,
müssen diese Fachkräfte zuverlässig und dauerhaft zur Verfügung stehen. Wo der Anfang gelingt,
macht die Weiterentwicklung sich später selbständig, wenn das natürliche Interesse der Menschen
an den Vorgängen geweckt ist.
Begründung:
- Für die gezielte Veränderung der Umweltbedingungen ist eine genaue Kenntnis der jeweiligen Ansprüche der
Schädlinge notwendig, da jede Schädlingsart ihre eigenen Toleranzen und Überlebensstrategien hat. Die
Umweltbedingungen zu verändern, liegt aber meist in der Hand derjenigen, die von Schädlingsbefall betroffen
sind und die davon nichts wissen.
- Zu Beginn der Umstellung auf die integrierte Schädlingsabwehr ist die Wahrscheinlichkeit groß, daß nach
anfänglicher Euphorie und einigen Mißerfolgen schlechte Gewohnheiten wieder aufgenommen werden.
Besonders groß ist diese Wahrscheinlichkeit, wenn bei Massenvermehrung Panik aufkommt.