Seite 98
E. Scholl (1995): Erarbeitung von Richtlinien für die integrierte Schädlingsbekämpfung ... 73
4. Methoden der integrierten Schädlingsabwehr
4.1. Einführung
Der
Anhang A1 / Methoden
enthält eine Sammlung von Impulsen und Denkanstößen für
Methoden zur integrierten Schädlingsabwehr. Wer hier ein Kochbuch für Patentrezepte erwartet,
muß insofern enttäuscht werden. Diese Sammlung erhebt auch keinen Anspruch auf
Vollständigkeit. Da die Methoden eng miteinander vernetzt sind, ist es schwierig, sie übersichtlich
zu gliedern, ohne einen Großteil des Sinns zu verlieren. Daher wurde vorerst die alphabetische
Liste als Kompromiß gewählt.
4.1.1. Allgemeine Bemerkungen,
Aus verschiedenen Gründen, die ich kurz anreißen möchte, ist der
Anhang A1 / Methoden
sicher
der Teil des Berichtes, der wohl am wenigsten abgeschlossen sein kann:
- Das Wissen wächst lawinenartig. Selbst falls es jemand geben sollte, der sich darin einmal
kurzfristig umfassend zurechtfinden sollte, wird er oder sie kaum die Zeit finden, dieses Wissen
mitzuteilen, ohne gleichzeitig etwas anderes zu verpassen. Während ich diese Zeilen schreibe,
entgeht mir schon wieder irgendwo eine wichtige Tagung, bin ich nicht mehr auf dem neuesten
Stand - oder?
Was Sie im Anhang A I lesen, ist also eine Momentaufnahme vom heutigen Tag.
- Lieblingsspiel der wissenschaftlichen "Gemeinschaft" und der Hochleistungs-Wettbewerbs-
Gesellschaft ist das um-die-Wette-besser-wissen, bzw. -machen und -verkaufen; jeder gegen
jeden. Die Industrie macht daraus immer neue Patentrezepte und Universallösungen.
Probleme werden unterm Teppich gesammelt. Während der allgemein anerkannte und
öffentliche geförderte Wettbewerb zu absurden Formen auswächst, verkommt das Wissen vom
Allgemeingut zum Privateigentum.
Was Sie hier lesen, ist also außer der zeitlichen Begrenzung nur eine Momentaufnahme aus
meiner beschränkten Sichtweise. Zu vielen Informationsquellen war mein Zugriff beschränkt,
andere konnte ich nutzen, die manch anderem verwehrt bleiben.
- Eine Spielregel des um-die-Wette-besser-wissens lautet, daß alles nur einmal gesagt werden
darf. Einmal erworben, wird das Wissen häufig zum Privatbesitz, bzw. zur Kostenfrage. (Die
Nutznießer sind dabei fast immer andere Menschen als diejenigen, die die guten Ideen hatten.)
Diesbezüglich bitte ich alle, die etwaige Besitzansprüche an die Informationen stellen, die im
folgenden ausgebreitet werden, um Nachsicht. Falls das nicht ausreicht, wenden Sie sich bitte
an meinen Rechtsbeistand.
- Die Kriterien für die Bewertung toxikologisch und ökologisch relevanter Eigenschaften der
Methoden in ihrer Gesamtheit ändern sich ständig. Es ist daher verständlich, daß - wer auf sich
hält, zwar gerne Vorhandenes kritisiert, sich aber mit eigenen Bewertungen nach Möglichkeit
zurückhält. Diese Zeitgenossen kommen in diesem Abschnitt voll auf ihre Kosten.
- In dieser Gesellschaft, in der das Konfliktbewußtsein sich weitgehend in Schuldzuweisungen
erschöpft, wird es immer unbequemer, Verantwortung zu übernehmen. Wer etwas tut, macht
Fehler und kann schuldig werden; was also liegt näher, als möglichst wenig zu tun?