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4. MethodenIntegrierte Schädlingsbekämpfung
- Wer Verantwortung übernimmt - ob als Wissenschaftler, Hersteller von Pestiziden oder als
Gesetzgeber - muß mit der Angst leben, für mögliche Wissenslücken oder Fehlschläge später
zur Verantwortung gezogen zu werden und tendiert verständlicherweise zur Abschottung
hinter dem Bewährten, Vertrauten aus alten Zeiten. Das ist wohl zu eng geworden wie ein
verschossener Konfirmationsanzug, bedeckt nur noch notdürftig die Blöße und ist immer noch
besser als nichts, oder?
- Im gleichen Maß wie das Wissen wächst die Gesetzesflut, vergleichbar mit Stopfstellen in
einem dünngelaufenen Strumpf. Die Stopfstellen, die notdürftig die Form erhalten, reißen
gleichzeitig immer neue Löcher.
- Von der Paralyse der Besserwisser aus war es ein naheliegender Schritt, die
Naturwissenschaftler in den Führungsspitzen durch Juristen zu ersetzen.
Das ist völlig in Ordnung, aber nur als Symbiose, die ihre gesamte Lebensenergie aus dem
Informationsfluß zwischen beiden bezieht, der ständig in Gang gehalten werden muß: denn die
Beurteilung der Dinge setzt genaue Kenntnisse über deren Natur unabdingbar voraus. Das
wird von nicht-naturwissenschaftlich geprägten Mitmenschen leicht unterschätzt.
Es ist zu bedenken, daß die beiden Gruppen verschiedene Sprachen sprechen und einander nur
bedingt vertrauen. Es liegen Welten dazwischen.
In einer der Zwischen-Welten leben die Schädlingsbekämpfer wie auf Eiern. In keinem der beiden
oben genannten Sprachräume heimisch, müssen sie etwas tun, wenn sie von ihrer Arbeit leben
wollen und stehen ständig mit einem Bein im Gefängnis, weil ihnen - aus Wettbewerbs- und
Haftungsgründen - kaum jemand gerne sagt, was sie denn wie besser machen können.
Aus diesen Gründen kommt die integrierte Schädlingsbekämpfung allen Beteiligten und dem
Verbraucher in vielfacher Hinsicht zugute:
Es ist eine Sammlung von Möglichkeiten, von einfachen Dingen wenig zu tun. Sie fordert den
sogenannten gesunden Menschenverstand heraus und hat den Ehrgeiz, die Risiken zu minimieren,
d.h. klein zu machen.
Anstatt alte Geschichten nochmals wiederzukäuen, sollen die Vorzüge der integrierten
Schädlingsbekämpfung hier an einem Beispiel aus dem Alltag näher erläutert werden.
4.1.2. Exkurs: Integrierte Schädlingsbekämpfung und gute Küche
Es gibt nichts Gutes - außer man tut es.
Viele Aspekte guter Schädlingsbekämpfung sind schwer vorstellbar. Glücklicherweise gibt es eine
verblüffende Ähnlichkeit mit Guter Küche, von der die meisten Menschen -sei es aktiv oder passiv,
als Koch oder Esser - wohl wesentlich mehr verstehen. Die Komponenten der guten
Schädlingsbekämpfung sollen deshalb am Beispiel der guten Küche hier etwas ausführlicher
dargestellt werden.
W
ie bei der Schädlingsbehandlung kommt es in der Küche hauptsächlich darauf an,
WIE
wir etwas tun, was
auch immer es sein mag. Welche Methode, was für Zutaten wir wählen, spielt dann, wie wir sehen werden, eine
weniger wichtige Rolle, solange wir richtig damit umgehen.
D
as fängt schon bei der Auswahl des Ortes an.
(In den meisten Privathaushalten ist die Küche an einem
zentralem Ort. Fast alle Restaurants sind ebenerdig zugänglich, also dort, wo auch die hungrigen Menschen
gehäuft auftreten. Ein Restaurant, das in einer höheren Etage ist, muß schon sehr gut sein, um erfolgreich zu