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4. MethodenIntegrierte Schädlingsbekämpfung
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nd es geht noch weiter. Es muß nicht nur die Präsentation stimmen. Vom Gesichtsausdruck des Darbieters über
die Raumtemperatur, die Beleuchtung, der Wein, die Einrichtung, die übrigen Gäste bis zum Ambiente muß alles
stimmen. Auch das Preis-Leistungsverhältnis muß stimmen. Und wenn die Esser bereits schlecht gelaunt oder
mit verdorbenem Magen zum Essen erscheinen, wird dies zum bestimmenden Faktor für das gesamte Essen.
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ußerdem muß es rechtzeitig fertigwerden, sonst war alles umsonst.
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ie Erwartungen und Ansprüche der Esser müssen berücksichtigt werden:
- woran werden die Esser sich wohl später erinnern, wenn das Schnitzel nach Parfüm roch?
- wer Linsensuppe bestellt hat, wird sich kaum über Kaviar freuen können, und wenn der noch so teuer und
gut sein soll;
Und hier die Parallele
: Genau wie die gute Küche ist die gute Schädlingsbekämpfung ein mehr
oder weniger dichtes Netz von Faktoren. Je besser diese alle ineinandergreifen, desto besser wird
das Ergebnis. Abwechslung ist notwendig. Wenn eine Beilage ausgeht, kann ersatzweise eine
andere serviert werden. Genau wie der Koch muß der Schädlingsbekämpfer wissen, was er sich
und seinen Kunden jeweils zutrauen kann und zumuten darf. Je weniger mögliche Komplikationen
beachtet werden müssen, desto größer wird die Aussicht, das gewünschte Ziel zu erreichen. Lieber
einfach und richtig, als kompliziert und falsch.
Liebe geht nicht nur durch den Magen; sie zeigt sich auch in der Schädlingsbekämpfung.
4.1.3. Integrierte Schädlingsbekämpfung - ganzheitliche Abwehr
Das sollte bereits beim Wort beginnen: anstatt unsere kleinen Mit-Esser und verstohlenen Unter-
Mieter zu hassen und zu bekämpfen, genügt es oft vollauf, wenn wir interessiert zur Kenntnis
nehmen, wo wir ihnen, ohne es zu wissen, Lebensräume innerhalb unserer Lebensräume bereitet
haben und ihnen diese Lebensräume in aller Freundlichkeit zu entziehen. Dann werden die meisten
von selbst verschwinden, und wir brauchen nur die wenigsten zu töten. Dort, wo sie von Natur aus
hingehören, ist überhaupt nichts gegen sie einzuwenden.
Statt uns auf eine einzige Methode - traditionell meist Gift - zu verlassen, können wir auch mehrere
Faktoren leicht verändern indem wir z.B. aufräumen, saubermachen, abdichten, und abkühlen oder
gut durchheizen. Falls ein Gift dann überhaupt noch notwendig ist, kann es so präzise gezielt
werden, daß es die Schädlinge vollständig erreicht, und nur sie trifft, ohne gleichzeitig den
gesamten Raum zu belasten. Auf die Dauer kann so mit immer geringeren Mitteln immer sicherer
das gewünschte Ergebnis erreicht werden, und das bei gleichzeitig verschwindendem Risiko.
Der Schädlingsbekämpfer, der mit den traditionellen Methoden und Mitteln weitgehend zum
Verdrängungsgehilfen degradiert war, kann sich dabei zum Habitat-Designer (= Lebens-Raum-
Planer oder -Gestalter) entfalten.
Patentlösungen und Universalrezepte in Form von Breitband-Giften müssen für Notfälle auch
weiterhin bereit gehalten werden. Sie gehören aber weitestgehend der Vergangenheit an oder den
möglichen Krisen der Zukunft.
Was Sie im
Anhang A1 / Methoden
finden, ist also gewissermaßen die Nouvelle Cuisine oder
Vollwertkost der Lebens-Raum-Gestaltung.