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Integrierte Schädlingsbekämpfung
5. Pestizide 79
ständig wachsende Gefahr drohen. Dies muß unbedingt beachtet werden, weil das Bestellen,
Transportieren und Lagern größerer Mengen auf den ersten Blick ökonomisch sinnvoller erscheint
und weil das Sammeln eine so menschliche Schwäche ist.
Die US-Streitkräfte sehen einen Planungszeitraum von 90 Tagen als sinnvoll an.
Ökologisch wünschenswert sind in diesem Ausnahmefall auch kleine Verpackungseinheiten und
Portionspackungen, um das flexible Kontern zu erleichtern. Kleine Packungen können auch nur
entsprechend kleine Gefahrenherde darstellen, wenn sie beispielsweise herunterfallen.
Wünschenswert wäre ein Versorgungsnetz mit kontrollierter Abgabe über Zwischenhändler.
Denkbar wäre dies über den Agrarhandel; besser jedoch rezeptpflichtig über die Apotheken, als
Umwelt-Arzneimittel. Jedenfalls muß die Versorgung absolut zuverlässig sein, weil jede Lücke im
System zu Mißtrauen und das zum Horten von Giften führt..
Grundsätzlich sollte bei jeder Pestizidanwendung nur ein einziges Gift ausgebracht werden, da bei
gleichzeitiger Verwendung mehrerer Wirkstoffe unüberschaubare Wechselwirkungen auftreten
können. Es gibt Ausnahmen, in denen Wirkstoffe sich sinnvoll ergänzen (Synergismen). Das ist
die hohe Schule der Giftanwendung. Synergismen müssen aber besonders sorgfältig geprüft, und
im Einzelfall begründet werden, weil sie meist nur sehr begrenzt wirken. Solche Prüfungen sollten
mindestens alle zwei Jahre überdacht werden. In der Regel müssen die einzelnen Wirkstoffe auch
zu unterschiedlichen Zeiten an verschiedene Orten wirken und unterscheiden sich in
Wirkungsdauer und Abbau unter Praxisbedingungen, sodaß eine Kombiwirkung nur für einen eng
begrenzten Zeitraum wirkt. Der verantwortungsvolle Anwender bringt sie dann auch gesondert aus.
Vergiftungsfälle der Vergangenheit sind als kollektive Erfahrungen für die weitere Verwendbarkeit
äußerst wertvoll und müssen sorgfältig beobachtet und untersucht werden. Sie helfen, Risiken
abzuschätzen und überschaubar zu machen. Bei den Pestizid-Empfehlungen und bei der
Stoffauswahl muß berücksichtigt werden, daß diese Erfahrungen bei älteren Stoffen eher
vorhanden sind als bei neueren. Allerdings darf das nicht dazu führen, grundsätzlich alte Stoffe für
besser als neue zu erklären. Ebenso sind natürlich vorkommende Stoffe keineswegs immer
harmloser als synthetisch hergestellte.
Die Eigenschaften von Giften müssen in einen für Schädlingsbekämpfer relevanten Zusammenhang
mit anderen Methoden gebracht werden, also mit anderen Methoden vergleichbar gemacht werden,
um ihm das Abwägen zu erleichtern. Auch schadet es nichts, Chemikalien des alltäglichen
Gebrauchs gelegentlich zum Vergleich heranzuziehen. Das hilft, sich die Angelegenheit vorstellen
zu können. Außerdem müssen die Wirkstoffeigenschaften mit den abzuwehrenden Tieren in
Zusammenhang gebracht werden.
Die hier anschließende Übersicht soll dem Schädlingsbekämpfer den bewußten Vergleich und das
verantwortliche Abwägen der Wirkstoffe gegeneinander erleichtern. Die Gruppeneinteilungen sind
teils künstlich und sicher nicht ganz schlüssig; sie können nur der groben Orientierung dienen und
müssen weiter bearbeitet werden. Angaben, die ich in der Literatur bisher nicht finden konnte,
mache ich in den nachfolgenden Tabellen bewußt zu Lücken, die der besserwissende Leser bitte -
möglichst öffentlich - schließen möge.
Vereinzelt führe ich auch Widersprüche auf und weise auf voneinander abweichende Angaben
verschiedener Autoren hin.