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5. PestizideIntegrierte Schädlingsbekämpfung
- Nematoden;
außerdem fast alle Gifte gegen Nagetiere (s.u.):
- Antikoagulantien,
- Natriumfluorid (M
ALLIS
1991, S. 873)
Vergiftungsgefahren entstehen durch Abschlucken eingeatmeter Staubteilchen mit Schleim oder
Essen mit kontaminierten Händen, Finger in den Mund stecken (Rauchen, Zähne reinigen, Nase
bohren) etc..
Bei diesen Wirkstoffen, die ihre Giftwirkung nur bei Aufnahme durch den Mund entfalten, sind die
Vergiftungsgefahren - statistisch gesehen - äußerst gering, außer bei Selbstmordabsicht oder bei
Kleinkindern und Haustieren. Das Letztere läßt sich durch geeignete Ausbringung noch weiter
verringern.
-> Köderverfahren
5.2.7.2. Kontaktgifte
... dringen durch die Körperoberfläche in den Körper ein, wenn sie lipidlöslich oder lipophil sind,
oder verdampfen. Der Vorgang wird bei Menschen
Hautresorption
genannt. Gase gehen am
schnellsten überall durch - für sie ist die Haut keine Grenze. Aber auch Flüssigkeiten können die
Haut durchdringen, und sogar feste Stoffe können durch die Haut in den Körper einziehen, wenn sie
z.B. lipophil sind.
Vergiftung mit Kontaktgiften ist die häufigste Vergiftungsart in der Praxis. Bei manchen Giften
reicht kurzes Anfassen mit der bloßen Hand, Überschwappen von Konzentrat oder angesetzter
Lösung, Benetzen der Haut, benetzte Kleidung bis zum Ende der Arbeit anbehalten, Aufenthalt im
begasten Raum auch mit angehaltener Luft. Diese Art der Giftaufnahme ist unerwartet, un-
"begreif"-lich und deshalb besonders tückisch.
Der Transport fester, flüssiger oder gasförmiger Teilchen durch die normale Haut ist je nach
Körperteil sehr unterschiedlich schnell / leicht: bestimmte Wege sind auch kürzer oder direkter als
andere:
- durch die Haut der Hoden dringen Chemikalien wesentlich schneller in den Körper, auch,
wenn die Haut mit Fettcreme eingecremt und /oder verschwitzt ist, und über die Schleimhäute
ist der Transport erleichtert;
- der Weg ins Hirn durchs Auge über den Sehnerv und durch das Ohr über den Hörnerv bei
perforiertem Trommelfell [D
ÖRNEMANN
1987, mündl. Mitt.] ist sehr viel kürzer als über die
Körperoberfläche und umgeht die Blut-Hirn-Schranke;
- durch Mund und Nase über die Geschmacks- und Geruchsnervern gibt es eine direkte
Verbindung zum limbischen System im Hirn, das unser Verhalten und unsere Gefühle
beeinflußt;
- der Weg durch die Haut ins Blut ist durch verletzte / vorgeschädigte Haut stark verkürzt;
Unbewußte Kontaktgiftmöglichkeiten: Gesicht abwischen mit kontaminiertem Handschuh;
Autofahren mit kontaminiertem Lenkrad (F
RISHMAN
1993, mündl. Mitt.).
Die dermale Giftigkeit kann durch sogenannte Hilfsstoffe (hier Nebenwirkstoffe, z.B.
Lösungsmittel, Emulgatoren, Netzmittel, Haftmittel) stark vergrößert werden, indem diese Zusätze
den Giften helfen, leichter in die Haut einzudringen.