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5. PestizideIntegrierte Schädlingsbekämpfung
- Art der Schädlinge,
- physiologischer Zustand der Schädlinge,
Außerdem hängt die Giftwirkung natürlich von der Art des Wirkstoffes ab.
Die setzt sich oft aus mehreren Einzelwirkungen zusammen, z.B. Sofortwirkung, Langzeitwirkung,
Repellentwirkung, Fraß-stop, Knock-down-Effekt, Tötungseffekt, Wachstums- und
Vermehrungsstörungen.
Abgesehen vom chemischen Wirkungsmechanismus ist die Wirkung auf Individuen sehr
unterschiedlich stark und daher schwer meßbar.
Dies ist nur eine kleine, erweiterungsbedürftige Auswahl.
Verschiedene Lebensstadien von Schädlingen sind unterschiedlich empfindlich und haben auch
unterschiedliche Kontaktmöglichkeiten mit Pestiziden (Eilarven und trächtige Weibchen sind
weniger aktiv; vor der Häutung verändert sich der Stoffwechsel; Eikapseln und Puppen sind in
Hüllen geschützt, Neugeborene Jungtiere werden gesäugt, etc). All das muß bei der Auswahl der
Mittel beachtet werden. Sie dürfen z.B. nicht zu kurzwirksam sein, wenn sie die ganze Familie
erreichen sollen.
5.2.8.1. Repellent-Wirkung
- auch Repellenz (=engl.: Repellency; Tätigkeitswort: repellieren)
Pestizide sind für Schädlinge fast immer mehr oder weniger abstoßend. Manche Wirkstoffe, z.B.
Pyrethrine / Pyrethroide sind von Natur aus stark repellierend, andere wenig (Borsäure,
Wachstumsregler, Silikagel) bis garnicht (z.B. Blutgerinnungshemmer gegen Nagetiere). Als
Faustregel gilt, daß die Abschreckung um so stärker ist, je giftiger der Wirkstoff (R
EIERSON
1993,
mündl. Mitt.). Wenn sich auf die Dauer nur die Individuen fortpflanzen, die schnell genug
zurückschrecken, macht sich bald die erworbene Repellenz breit. (Vgl. Resistenz).
In Form von Austreibemitteln wird die Repellent-Wirkung bei der Schädlingsbekämpfung genutzt,
hauptsächlich bei Schaben. Dabei ist jedoch zu bedenken, daß die Schlupfwinkel der Tiere für die
Dauer der Austreibewirkung unbewohnbar werden. Weiterhin gilt, daß ausgetriebene Individuen
sofort eingesammelt und getötet werden müssen. Andernfalls ist die Wahrscheinlichkeit hoch, daß
sie sich wieder erholen. In jedem Fall ist damit zu rechnen, daß empfindliche Schlupfwinkel-
Bewohner sich einen anderen Lebensraum suchen müssen, da ihnen Durchzug, trockene Luft und
helles Licht nicht gut bekommen; beispielsweise an der Zimmerdecke oder in angrenzenden
Räumen. Falls es weitere Schlupfwinkel in erreichbarer Nähe gibt, werden sie sie finden. Wir
haben es hier also eher mit Ausbreitungssprays zu tun.
Leider werden Austreibemittel hauptsächlich genutzt, um dem Benutzer das Gefühl zu vermitteln
"Etwas Getan" zu haben, oder dem Kunden zu demonstrieren, wie groß das Problem ist. Wenn
Schaben in den Ecken sterben, entzieht sie das der Wahrnehmung - und dem Schädlingsbekämpfer
möglicherweise den Job.
Mit repellierenden Wirkstoffen muß besonders sorgfältig gearbeitet werden. Andernfalls
konzentrieren sich die Schädlinge auf die nicht behandelten Flächen.
Repellenz kann auch zum Schutz genutzt werden: