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5. PestizideIntegrierte Schädlingsbekämpfung
als sie vergiftet werden. So werden dann Pyrethroide zu Repellents (und so läßt sich auch die
unterschiedliche Wirkung von Niem auf Insekten der alten und der neuen Welt erklären).
(These: je größer die artweisen Unterschiede von jeher sind, desto leichter-stärker-schneller kommt erworbene
Resistenz raus)
Verhaltensresistenz: Fähigkeit, die Dosis, die sich als tödlich erweisen würde, zu vermeiden. Diese
Art der Resistenz ist leichter zu be-greifen als die in der Erbmasse verankerte, beispielsweise:
- Wenn Tiere von einem Gift krank geworden sind, ohne daran zu sterben, lernen sie für den
Rest ihres Lebens, dieses Gift zu meiden.
- Hot feet-Effekt: Insekten gehen gewissermaßen "auf die Zehenspitzen" und kommen dadurch
nicht mehr in ausreichenden Kontakt mit dem Gift.
- Einfaches Vermeiden wurde bei Silikagel beobachtet. Schaben laufen zwar darüber, setzen
sich aber nicht darauf - als wäre da ein Loch. P
ATOUREL
(1993, mündl. Mitt.) vermutet, daß
Silikagel Aggregationspheromon der Schaben aufsaugt, sodaß sie den Platz nicht mehr als
"Schabenheim" erkennen.
Morphologische Resistenz: wenn ein Gift nicht mehr wirkt, weil beispielsweise die Kutikula dicker
wird oder schützende Haare auftreten.
So gesehen, ist die Schädlingsbekämpfung eine Selektion (=Auswahl / Zucht) überlebender (resistenter) Schädlings-
Individuen.
Nicht zu verwechseln mit Immunität: hier lernt ein Körper, sich gegen Krankheitserreger zu wehren, Abwehrstoffe zu entwickeln,
während bei der Resistenz die Abwehrenden Individuen gezüchtet werden.
Außerdem gibt es noch die "Toleranz". Damit wird eine leicht erhöhte Widerstandsfähigkeit bezeichnet, die - je nach
Definition - 2-4 (-20) höher ist als bei normal-empfindlichen Individuen.
Resistenz kann auf einem einzelnen Gen verankert sein - oder auch auf mehreren. Sie kann
dominant, intermediär oder rezessiv vererbt werden (, meist jedoch rezessiv). Weiterhin kann sie
gegen einen einzelnen Wirkstoff gerichtet sein oder gegen eine ganze Wirkstoffgruppe:
(Gruppenresistenz). Gegen mehrere Gruppen mit gleichem Wirkungsmechanismus:
(Kreuzresistenz); mehrere unabhängige Mechanismen gegen unterschiedliche
Wirkungsmechanismen: (multiple Resistenz). beobachtete Kreuzresistenzen: Chlorierte
Kohlenwasserstoffe - Pyrethroide / Pyrethrum; Organophosphate - Karbamate.
Bei monogamen Arten (Mäuse, Schaben, außer bei großräumigem Befall) wirkt sich die Resistenz
stärker aus als bei solchen mit wechselnden Geschlechtspartnern.
Eilarven (= frisch geschlüpfte) und ältere Erwachsene reagieren auf Pestizide auch dann
empfindlicher, wenn der Stamm resistent ist.
Fliegen aus isolierten resistenten Stämmen werden bei Massenvermehrung besonders
problematisch, da die fliegenden Vollinsekten die Resistenz schnell ausbreiten.
Mutanten, zu denen die resistenten Individuen gehören, sind oft weniger fit (langsamer, kleiner,
weniger reproduktiv, Stoffwechsel weniger effektiv), können sich den fitteren gegenüber nur unter
den erschwerten Bedingungen der Pestizidbelastung halten. Sobald die Pestizidbelastung nachläßt,
setzen sich die fitteren Tiere wieder durch. (Funktioniert leider nicht immer.)
Blattella germanica: Wegen der kurzen Generationsfolge werden isolierte Populationen leichter
resistent als die anderer Schaben; passive Verbreitung durch zunehmende Waren- und
Leerguttransporte durchmischt die Gesamtpopulation ständig neu. Das wirkt resistenzverzögernd,