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Integrierte Schädlingsbekämpfung
5. Pestizide 97
bis nach großflächiger längerfristiger Fehlbehandlung Resistenz des Gesamtbestandes auftritt, die
dann schwerwiegend und kaum noch zu kontrollieren ist.
5.2.9.1. Probleme:
Pestizide überstrapazieren heißt, sie verlieren.
Resistenz - gleich welcher Art - führt dazu, daß Pestizide ihre Wirkung verlieren. Auf die daraus
resultierenden Probleme wurde bereits im Kapitel 1 hingewiesen:
- Resistenz verursacht immer schneller Entwicklungskosten für neue Pestizide und damit
verbunden immer neuen Risiken. Abgesehen davon wird es immer schwerer, neue chemische
Stoffe zu finden.
- Wenn Schädlinge und Krankheitserreger resistent sind, können sie nicht mehr an der
Ausbreitung gehindert werden.
5.2.9.2. Gegenmaßnahmen
Zum Glück gibt es einige wirksame Maßnahmen, um Resistenz zu vermeiden oder zumindest stark
hinauszuzögern:
- Mit einer Behandlung die gesamte Population tilgen ist das nächstliegende, wird aber im Alltag
selten erreicht und ist oft unrealistisch;
- Endgültige Lösungen anstreben: gute Organisation der Schädlingsbekämpfung. Pestizide nur
für wirkliche Notfälle, zum günstigsten Zeitpunkt, nur gegen die Stadien, bei denen sie am
besten wirken. Nur wenn alle anderen Methoden, einschließlich der Vorbeugung, erschöpft
sind;
- Pestizideinsatz nur nach Befallsermittlung und präzise gezielt; Beschränkung der Pestizide auf
ausschließlich Profis; absoluter Verzicht auf Laienpräparate;
- Vorbeugend: Wirkstoff rechtzeitig wechseln (S
TEIN
1986p.182, S
TEINBRINK
mündl. Mitt. an
K
LUNKER
1990, Z
EICHNER
1991), Bekämpfung diskontinuierlich. Pausen heben den
Selektionsdruck auf;
K
LUNKER
1990, p.90f, empfiehlt:
- Jeden Wirkstoff nur einmal im Jahr einsetzen;
- schlechte Resistenzbildner einsetzen: Borsäure bzw. Natriumtetraborat, Hydramethylnon (auch: C
OCHRAN
1984), Propoxur (+ Azametiphos - Thiophosphorsäureester?);
- Wirkstoffe vorziehen, die nicht repellieren und die schnell abgebaut werden;
- Bekämpfungsperioden begrenzen. In den Zwischenzeiten darf dann der Wirkstoff nirgendwo
sein. Das gilt natürlich auch für Mittelreste von Residualbehandlungen auf Wänden oder für
incorporierte Gene in manipulierten Nutzpflanzen (wie z.B. Bacillus thuringiensis);
- Pestizide mit nicht-chemischen Methoden intelligent kombinieren;
- gelegentlich empfindliche Individuen einkreuzen.
Die Eignung anderer Methoden, muß sehr angezweifelt werden:
- Erhöhen der Dosis ist oft die erste Reaktion, wenn ein Mittel nicht mehr wirkt. Das führt in kurzer Zeit zu einem
noch größeren Problem. Zu den resistenten Schädlingen kommen dann noch die Rückstände des Mittels.
- Wirkstoffe kombinieren (overpowering resistance); wenn eins nicht wirkt, dann das andere. Macht nur bei den
richtigen genetischen Voraussetzungen Sinn, und wenn beide Stoffe gleich lange Dauerwirkung haben, und
Zuwanderung aus unbehandelten Gebieten möglich ist. Sobald einer dieser Faktoren nicht gegeben ist, gibt es die
selben Probleme wie mit einem einzigen hochdosierten Stoff. Nachteil der Praxis: unterschiedliche
Wirkungsdauer, meist zwei verschiedene Wirkungsmechanismen, die bei der anschließenden Kombiresistenz
beide ausfallen (D
ENHOLM
&
R
OWLAND
1992). Ausnahme (Klunker 1990): Kombination von Wirkstoffen mit