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5. PestizideIntegrierte Schädlingsbekämpfung
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Duftstoffe, Farbstoffe, Füllstoffe, Geruchsstoffe, Geruchsüberdecker, Geschmacksstoffe,
Viskositätsregler, Warn-, Schreckstoffe, Synergisten
,
Trägerstoff, Treibmittel, ...
weiterführende Literatur zu diesem Thema: F
IEDLER
, Lexikon der Hilfsstoffe. Neuauflage dieses Buches war im Nov.
1994 geplant. Es war aber bis zum Jahresende nicht lieferbar; VUA-Lösemittelbroschüre 1987 (best. 5 Okt 94;
Neuauflage geplant Nov. 1994), M
ALLIS
1990, S. 889f.
5.4.2. Zubereitungen und Ausbringungsverfahren, s. Anhang A4
Pestizid-
Wirkstoffe
werden in Verbindung mit
Hilfsstoffen
, welche die Stoff-Eigenschaften
nachhaltig beeinflussen können, als
Formulierung
oder
Zubereitung
verpackt und als
Produkt
verkauft. Oft sind außerdem Ansetzen der Endkonzentration und
Ausbringungsgeräte
notwendig,
um die Mittel zu verteilen. Sogar Verpackung und Ausbringungsmethode können hochwirksame
Bestandteile der Formulierung werden. Da auch die Konstruktion des zu behandelnden Objektes
und die Biologie der Schädlinge berücksichtigt werden müssen, wird aus der
Schädlingsbekämpfung schnell ein hochkompliziertes
Anwendungsverfahren
.
Oft spielt der
Wirkstoff nur noch eine untergeordnete Rolle oder wäre sogar verzichtbar, weil das Lösungsmittel alleine das
gewünschte Ergebnis erzielt. Zusätze, Aufbearbeitung, Verpackung und Anwendungstechnik können die Wirkung
eines Stoffes völlig verändern. Sie können die Wirkung auch zunichte machen. Deshalb entscheiden all diese Faktoren
wesentlich mit über den Bekämpfungserfolg beim Pestizideinsatz. Welcher Wirkstoff verwendet wird, kann
demgegenüber an Bedeutung verblassen: alle Wirkstoffe wirken, wenn sie ihr Ziel erreichen. Mit anderen Worten:
der beste Wirkstoff nützt nichts, wenn er sein Ziel verfehlt.
Die richtige Verwendung von Pestiziden ist nicht nur Handwerk, sondern gleichzeitig Wissenschaft
und Kunst. Die Kunst besteht darin, möglichst viel der ausgebrachten Menge zum Töten der Tiere
zu verwenden und möglichst wenig danebenzutreffen. Entsprechend gibt es in der Medizin den
Begriff der "galenischen Verfügbarkeit" von Arzneimitteln, die möglichst hoch sein soll
(K
USCHINSKY
&
L
ÜLLMANN
1987). Für den Bereich Landwirtschaft wurde der Anteil bei Bohnen,
Weizen und Hafer einmal mit 0,02% bis 0,6% ausgerechnet (G
RAHAM
&
B
RUYCE
, 1977, zitiert in
R
UST
& al. 1995, S. 149).
Mit Hilfe geeigneter Anwendungsverfahren läßt sich die galenische Verfügbarkeit von Pestiziden in
Räumen auf nahezu 100% steigern!
Ich habe bis heute nur wenige Menschen getroffen, die dies - soweit ich das beurteilen kann, relativ
gut beherrschen, und von diesen sind die wenigsten Schädlingsbekämpfer. Genauso, wie man mit
minimalem Einsatz eine phänomenale Wirkung erzielen kann, gibt es unendlich viele
Möglichkeiten, mit einem falschen Griff großen Schaden anzurichten. (
s.o.: Gute Schädlingsbekämpfung
und Gute Küche. Das dort Gesagte trifft auf den Gifteinsatz in besonderem Maße zu.
).
Praxisrelevante Produkteigenschaften sind z.B.:
Löslichkeit, Lipophilie, Korngrößenverteilung bei Stäuben, pH-Wert, Pufferkapazität, Viskosität,
Haftung auf verschiedenen Untergründen, Verdampfung und Löslichkeit des Wirkstoffes (bei
Mikrokapseln), Haltbarkeit, elektrostatische Aufladung, Abbau der Zusätze, ... .
-> Anwendungstechnik - alphabetisch, Anhang A4
5.4.3. Verpackung
Kann in vielfältiger Weise zur Risikominimierung beitragen; hier nur einige Beispiele:
- Festköder in kindergesicherten Behältern, Portionierer (Köderpistolen), Portionsflaschen,
wasserlösliche Portionsbeutel, gebrauchsfertige Präparate, Schlupfwinkel-Präparate,
Portionierer (Konzentratflaschen)
- wasserlösliche Portionsbeutel, z.B.: Cyfluthrin (Pyrethroid),
Tempo 20 WP
, Mobay, Miles;
Cypermethrin (Pyrethroid),
Demon 40 WP
, Zeneca / Killgerm; Chlorpyrifos
(Organophosphat),
Dursban 50W
(EC??); DowElanco
- Tüten für Nagetierköder, die Feuchte abhalten, aber Düfte durchlassen: (Eaton?, Bell?)
Leere Pestizidbehälter
: dreimal hintereinander ausspülen, das Spülwasser aufbewahren und beim
nächsten Ansatz mit dem gleichen Wirkstoff als Mischwasser wieder verwenden. Behälter nach
Möglichkeit zum Hersteller zurückgeben - mindestens einmal im Jahr nachfragen, ob das