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E. Scholl (1995):Erarbeitung von Richtlinien für die integrierte Schädlingsbekämpfung 113
6. Schädlinge
Bei der integrierten Schädlingsabwehr werden die Schädlinge mit ihren eigenen Waffen
geschlagen. Voraussetzung dafür ist, daß es dem "Befallenen" gelingt, seinen Ekel zu überwinden
und sie genau zu beobachten. Da dies alle Menschen betreffen kann, ist dieser Abschnitt
hauptsächlich den nicht-Wissenschaftlern gewidmet. Schwerpunkte sind ökologische
Zusammenhänge, Eigenschaften, die möglicherweise zur Abwehr genutzt werden können,
umfassende Befallserhebung, sowie minimalriskante Abwehr für unterschiedliche Zielgruppen und
Schadschwellen mit besonderer Berücksichtigung der vorbeugenden und dauerhaft wirksamen
Maßnahmen.
Jedes der folgenden Kapitel im
Anhang B
besteht aus mindestens drei Teilen: Die Darstellung der
Situation, die Befallserhebung und die Abwehr. Meist werden nur einzelne Arten beschrieben, weil
sie auch unterschiedlich behandelt werden müssen. Wo dies im gegebenen Rahmen nicht mit
ausreichender Intensität möglich war, wird auf weiterführende Literatur hingewiesen.
- Erkennungsmerkmale
. Jede Schädlingsart hat ganz charakteristische Besonderheiten, an
denen jeder auch die lebenden Tiere ohne besondere Hilfsmittel von allen anderen
unterscheiden kann. Voraussetzung zum Erkennen der Schädlinge ist das Trainieren sämtlicher
Sinne des Beobachters (Geräusche, Gerüche, Fraß- und Kotspuren). Diese Eigenschaften, die
in den wenigsten Bestimmungsbüchern auftauchen, sind hier unter weitestmöglichem Verzicht
auf zoologisches "Fachchinesisch" hervorgehoben.
- Stellung im Naturhaushalt, natürliche Feinde
: jeder Organismus hat einen Lebensraum im
Naturhaushalt, den er optimal ausfüllt, und in dem er überhaupt nicht stört oder auffällt. Dazu
genau passend hat er eine Aufgabe, eine Art Beruf - die ökologische Nische. Nur wo seine
bestimmten Bedingungen erfüllt sind, kann er leben. Dieser Abschnitt soll dem Leser helfen,
sich den natürlichen Lebensraum eines Schädlings vorzustellen und verstehen zu lernen. Es
braucht nur wenig Phantasie, um die Parallelen zur ökologischen Nische im menschlichen
Lebensraum erkennen - eine elementare Voraussetzung für deren Veränderung. Der Hinweis
auf natürliche Feinde ist als kleiner Denkanstoß gedacht. Oft werden Tiere erst dort zum
Problem, wo der Mensch ihre natürlichen Feinde getötet oder vertrieben hat. Manchmal
genügt es, die natürlichen Feinde unserer Schädlinge leben zu lassen oder wieder anzusiedeln,
um dauerhaft Ruhe einkehren zu lassen. Wichtig dabei ist allerdings, daß eine gewisse Anzahl
von "Schädlingen" als Nahrungsgrundlage ihrer Freßfeinde ständig toleriert werden können.
Wer völlige Schädlingsfreiheit braucht, muß sich also etwas anderes einfallen lassen.
- Verhältnis zum Menschen
: In menschlicher Umgebung kann jeder sogenannte Schädling sich
nur dort halten und vermehren, wo er Verhältnisse vorfindet, die denen seiner natürlichen
Umgebung ähneln. Dabei sind die Tiere verblüffend kreativ. Manche sogenannte Schädlinge
sind - näher betrachtet - sogar ausgesprochen nützlich.