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Anhang A1 - 4
MethodenIntegrierte Schädlingsbekämpfung
werden. In isolierten Lebensräumen müssen die Nützlinge, sofern sie nachher weiterleben sollen,
nach Abschluß der Bekämpfung gefüttert werden.
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Schaben, Flöhe
: Nematoden, Pilze, die nur Schaben oder Flöhe - je nach Art - angreifen
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Mückenlarven und Motten
: Bacillus thuringiensis, ein Bakterium, das nur Mücken- bzw.
Mottenlarven vergiftet
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Stallfliegen
: Ophyra aenescens, eine Fliege, deren Larven am liebsten die Larven der
Stallfliegen fressen
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verwilderte Hauskatzen
: Eulen und Katzenminze (M
OLLISON
1983, S. 37)
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Ratten
: Frettchen, kleine Hunde. In Holland gibt es einen gewerblichen Schädlingsbekämpfer
im kommunalen Bereich, der mit dressierten Frettchen Ratten fängt. Auch kleine Hunde sind
dazu geeignet.
In einem abwechslungsreichen Lebensraum können zahllose Fleischfresser als heimische Wildtiere
angesiedelt oder als Nutztiere gehalten werden, um Schädlinge in Grenzen zu halten, z.B.:
Spinnen, Ameisen, Igel, Blindschleichen, Frettchen, Marder, Raubvögel, Füchse, Katzen, kleine
Hunde, Geckos, Mungos, Marder, Schlangen, Libellen, Singvögel, Enten, Gänse, Perlhühner,
Hühner, ... .
Um wirklich umweltverträglich zu sein, muß beim Einsatz von Tieren gegen Tiere ein gewisse Zahl
von Schädlingen toleriert werden können, damit angesiedelte Freßfeinde oder Parasiten nicht
verhungern. Dazu brauchen die Schädlinge Bereiche, in denen sie vor ihren Freßfeinden geschützt
sind. Das können natürliche Verstecke sein. Man kann aber auch entweder die Freßfeinde oder
einen Teil-Lebensraum der Schädlingspopulation mit Zäunen o.ä. abtrennen. Das macht dort Sinn,
wo ständig einheimische Tiere aus der Umgebung einwandern, oder wo eine völlige Befallstilgung
nicht erwartet werden kann, aus was für Gründen auch immer. Wer die angesiedelten Tiere
ersatzweise mit Alternativnahrung füttert, muß damit rechnen, daß sie sich an die Ersatznahrung
gewöhnen und nicht mehr die erwartete Leistung bringen.
Es gibt noch eine Verfeinerung der biologischen Schädlingsbekämpfung. Man kann mit den
Schädlingen Tiere füttern, die man widerum essen kann. Das ist die hohe Schule der ganzheitlichen
Schädlingsregulierung. Dabei werden aus den ursprünglichen Schädlingen sogar Nützlinge; z.B.
Fliegen als Hühnerfutter
: Besonders die Puppen, aber auch die Larven von Fliegen und die
erwachsenen Fliegen können als hochwertige Eiweißnahrung für Hühner genutzt werden
(O
LKOWSKI
&
O
LKOWSKI
1975). Zum Verpuppen suchen die Larven, die bis dahin das Feuchte
Dunkel geliebt hatten, sich ein trockenes, dunkles Versteck. Wem es gelingt, ihnen eins
anzubieten, an dem sie leicht eingesammelt werden können, der kann mit den Fliegenpuppen die
Hühner füttern, sie auf diese Weise regelrecht zu Nützlingen umfunktionieren und buchstäblich
viele Fliegen mit einer Klappe schlagen. Wo Hunde als Fleischlieferanten gezüchtet werden, wie
beispielsweise früher in China, könnte man sie mit Ratten füttern. Bill Mollison empfiehlt,
überfahrene Hühner im Sommer außerhalb der Reichweite mitten im Hühnerhof aufzuhängen. Sie
locken sehr bald sämtliche Schmeißfliegen der ganzen Umgebung an, die daran ihre Eier ablegen.
Die Larven lassen sich nach ein paar Tagen zum Verpuppen herunterfallen und werden sofort von
den Hühnern gefressen. Das ist vermutlich in Deutschland aus hygienischen Gründen nicht erlaubt,
eignet sich aber sicherlich als Anregung für weitere Ideen:
Im Hygienebereich ist die biologische Bekämpfung weniger sinnvoll. Es macht keinen
Unterschied, ob Schad- oder Raubfliege: alle sind gleichermaßen unerwünscht. In anderen
Ländern und Lebenssituationen kann das anders sein. Hierzu einige Beispiele:
- Manche Fliegen in Krisensituationen zur Wundheilung gezielt eingesetzt werden, da ihre
Larven nur entzündetes Gewebe fressen.
- In indischen Krankenhäusern werden große Radnetzspinnen an den Fenstern angesiedelt. Sie
fangen fliegende Insekten, die zum Fenster hereinfliegen wollen - eine Art lebende
Fliegengitter.