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Integrierte Schädlingsbekämpfung
MethodenAnhang A1 - 9
stimmt, hat sie eine Chance. Dann aber ist sie die optimale Kombination von low- und high-Tech.
Da sie beim geringsten Fehler völlig versagen kann, erfordert sie auch Mut vom Anwender.
Viele Schädlinge können viel besser riechen und / oder schmecken als wir Menschen. Viele Tiere
haben darüber hinaus noch einen sogenannten chemischen Sinn. Ameisen u.a. riechen
gewissermaßen mit den Füßen, indem sie über etwas hinweglaufen.
Viele Tiere sind für ganz bestimmte Gerüche hochempfindlich, z.B. Blutsauger auf CO2
(=Kohlendioxid).
Vergrämung
: vergiftet nicht, hindert aber durch Geschmack am Fressen oder durch abstoßendes
Tastergebnis am Aufenthalt: Bitrex, Quassia, Neem, Essig; für Insekten fast alle Insektizide.
Duftstoffe sind zur Vergrämung nur bedingt zu empfehlen, und zwar aus folgenden Gründen:
- Sämtliche Lebewesen nehmen in der Not abstoßende Gerüche in Kauf. Ein "stinkender" Platz
ist immer noch besser als kein Platz; das gleiche gilt für die Nahrung. Zuück zum Schnitzel
mit Parfümgeruch. Die meisten würden sich mit der Zeit dennoch überwinden, es zu
verzehren, wenn sonst nichts zu essen da ist. In Bezug auf die Schädlingsbekämpfung läßt sich
daraus schließen: je weniger alternative Nahrung da ist, desto weniger wichtig wird es, den
absolut besten Köder zu finden.
- Die meisten ätherischen Öle verfliegen in kurzer Zeit, wenn sie nicht hermetisch abgeschlossen
werden.
- Duftstoffe sind Chemikalien - genau wie Pestizide - und tragen zur Gesamtbelastung der
Raumluft mit Chemikalien bei. Das gilt auch für Naturstoffe, Räucherstäbchen etc.
- Etliche Duftstoffe sind allergen. Homöopathische Stoffkonzentrationen können stark wirken.
- Alle Umweltchemikalien tragen zum Streß fürs Immunsystem bei, wenn sie stärker
konzentriert in der Atemluft vorkommen - Allergien, Asthma u.a. nehmen zu. Immer mehr
Menschen reagieren Chemikalien-überempfindlich.
Aus diesen Gründen sollten auch Düfte möglichst genauso sparsam und präzise gezielt werden wie
alle übrigen Chemikalien. Das gilt aber nicht nur für Düfte zur Schädlingsabwehr, sondern generell
für alle Duftzusätze und insbesondere für jeden, der sich als empfindlich empfindet. ->
Verschiedenes, Schimmel
Insofern ist auch der Nutzen von aetherischen Ölen als Repellents für Schädlinge sehr begrenzt.
Aussperren, aufmerksame Vorratshaltung, Saubermachen u.ä. erfüllen den gleichen Zweck - ganz
ohne Chemie.
Zitrusölextrakte dürften eine Ausnahmestellung einnehmen, weil deren Bestandteile nicht nur
abschreckend, sondern auch für Insekten giftig sind.
Lockstoffe
: für Fliegen, Ratten, Mäuse, Ameisen, Schaben, Wespen;
Pheromone
: Spezialduftstoffe; Hormone mit Fernwirkung gegen Motten, Käfer u.a. Über den
praktischen Nutzen von Pheromonen (= Duftstoffe mit hochspezifischer hormonartiger
Fernwirkung) für die Schädlingsbekämpfung gehen die Meinungen weit auseinander.
Unbestreitbar ist der Vorteil für gezieltes Anlocken, Einfangen, Anködern von bestimmten Arten an
bestimmten Orten. Klar ist auch, daß es nicht Jedermann´s Sache ist. Düfte gezielt einzusetzen, ist
die hohe Kunst der Schädlingsabwehr. Dazu gehört, die jeweils richtigen Lockstoffe zu ermitteln
und ihn dann am richtigen Ort rechtzeitig und auf die richtige Art und Weise einzusetzen. Wenn
alles stimmt, dann kann ein minimaler Aufwand unglaublichen Erfolg haben. Fast alle Pheromone
wirken auf die Individuen einer Art höchst unterschiedlich, oft nur über begrenzte Zeiträume und
teils sehr überraschend.
Beispiele für Fehler mit Pheromonen:
- Fraßgift mit Sexuallockstoff (s.o.: Schnitzel mit Parfümgeruch)
- Sexuallockstoffe wirken auf Jungtiere anders als auf geschlechtsreife Individuen.
- Bei falscher Dosierung können Pheromone zusätzliche Schädlinge anlocken.
Mäuse
: Bei trächtigen Weibchen wird die Schwangerschaft unterbrochen und die Embryos
resorbiert, wenn sie ein fremdes Männchen riechen. Anscheinend funktioniert das aber nur in
Gefangenschaft.