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Anhang A1 - 10
MethodenIntegrierte Schädlingsbekämpfung
Schutz von Kindern
und Haustieren vor Fraßköder-Giften.
- Bitrex: lt Guiness-Buch der Rekorde der bitterste Stoff der Welt. Aber Ratten und Mäuse
können ihn in der für Menschen abschreckenden Konzentration nicht schmecken.
- Brechmittel: Ratten und Mäuse können nicht erbrechen.
Geruchsüberdecker:
maskieren andere Gerüche: "chemische Käseglocke", Knoblauch, Parfüm.
Schabenkot kann Repellent-Wirkung von Pestiziden teilweise aufheben (R95)
Bei der Verwendung muß bedacht werden, daß Tiere oft viel empfindlicher für Gerüche und
Geschmäcker sind als wir selbst.
Materialien wie Lockstoffe und Fallen müssen vor unerwünschter Geruchsannahme geschützt
werden.
Fraßlockstoffe und Pheromone gibt es bei einer Reihe von kleineren Herstellern und
Vertriebsfirmen. Für Ameisen gibt es bereits Fertigköder in mehreren Geschmacksrichtungen.
Weitere Informationen über Bezugsquellen: -> IPM-Practitioner, Vol. XVI, 11 / 12, 1994. ->
Pestizide
Bioindikatoren:
Die verfeinerten Sinne bestimmter Tiere können auch gezielt eingesetzt werden,
um uns auf bestimmte Dinge hinzuweisen. Ein Bioindikator aus dem Alltag ist der Hund, der
besser hören und riechen kann. Darüber hinaus gibt es noch weitere Möglichkeiten, z.B.:
- Termiten und andere Holzschädlinge: `Tadd Dogs´, speziell abgerichtete Hunde
- verwesende Ratten in Winkeln: Einige Schmeißfliegen im Raum loslassen, die man natürlich
vorher fangen muß. Die können Aas durch die Wände hindurch exakt orten. Sie werden sich
sofort an die richtige Stelle stürzen.
- Wohngifte: Haustiere
gesteuerte Gashülle -> controlled atmosphere
Gewohnheiten ändern
... ist das Allerschwerste, aber bei der Schädlingsbekämpfung oft sehr erfolgreich. Die University
of California hat dem Rechnung getragen durch Verbindung von Schädlingsbekämfung und
Soziologie zu einem Fachbereich. Hier einige Vorschläge für die Nutzer von befallenen und
gefährdeten Immobilien:
- allgemein: Krümel nach der Mahlzeit einsammeln, anstatt sie vom Tisch zu wischen; Küche
aufräumen, sauber machen, Geschirr abwaschen, trocknen, wegstellen; feuchte Lappen
aufhängen, Schrubber hochhängen
- im Büro: Kekse aus dem Schreibtisch entfernen oder absolut dicht aufbewahren; Schubladen
reinigen; die Umgebung von Kaffeemaschine, Mikrowelle u.ä. peinlich sauberhalten
Weiterführende Literatur: R
OGERS
,
E.
&
S
HOEMAKER
,
F.F. (1979), U
NIVERSITY OF
C
ALIFORNIA
(Hg., 1993)
Gift
Die Schädlingsabwehr sollte möglichst ohne Gifte auskommen. Das ist klar. Fast alle
Schädlingsprobleme sind ohne Gifte lösbar. Der vollständige Verzicht auf Gifte ist aber völlig
unrealistisch. Außerdem sind manchmal die Alternativen, die zur Verfügung stehen, ökologisch
weniger akzeptabel und unbezahlbar.
Es muß differenziert werden zwischen einer Gefahr (was etwas kann) und einem Risiko ( =
Wahrscheinlichkeit, mit der ein Schaden eintritt). Beispiele: Jeder, der Knollenblätterpilze ist,
stirbt. Sie sind sehr gefährlich. Um daran zu sterben muß man sie aber essen. Für jemand, der
keine Pilze ißt, ist das Risiko, sich mit Knollenblätterpilzen zu vergiften, gleich Null.
Grundsätzlich ablehnende Haltung gegenüber Giften ist wohl oft als Ventil für erhöhte Grundangst
zu verstehen. Sobald Schädlingsbefall eintritt, rückt an deren Stelle die Angst vor den Schädlingen,
zumindest bis zu deren Beseitigung. Danach kommt dann die Angst vor den Giftwirkungen wieder.