Seite 192
Integrierte Schädlingsbekämpfung
MethodenAnhang A1 - 11
Wer Gifte grundsätzlich ablehnt, den bitte ich, etwas genauer hinzuschauen und vielleicht erstmal
eine Nacht in einem stark von Mäusen, Ratten, Schaben oder Pharaoameisen befallenen Raum
verbringen, bevor er/sie wieder eine Meinung äußert.
Grenzen, Grenzbereiche, Unordnung, Schmutz
Die Unordnung der Dinge nimmt zu, sie vermischen sich an den Grenzen. Diese Gesetzmäßigkeit,
Entropie genannt, wurde zunächst an Chemikalien entdeckt, gilt aber auch für Lebensräume. Leben
ist, so gesehen, lebenslängliches Aufräumen. Nach dem Tod fließt alles auseinander.
Kontakte sind dort möglich, wo verschiedene Materialien und / oder Organismen aneinanderstoßen:
an den Grenzen. Wo immer Verschiedenes aneinander grenzt, findet Reibung, Vermischung und
Austausch statt. Dadurch werden die Oberflächen größer, die Grenzen länger und mehr, der
Grenzbereich wächst. Auf der Grenze sammeln sich Mischungsprodukte: Detritus (= organischer
Bestandsabfall; auch Schmutz, Unrat, Gerümpel genannt)
Das meiste spielt sich an den Grenzen ab. Wo also die Grenzen vergrößert werden, kann mehr
geschehen. Die Strukturierung steigert die Vielfalt und die Selbststeuerung eines Systems. Große
Grenzbereiche bieten Abwechslung, Lebensräume, variable Mikroklimata, Artenreichtum,
Vernetzung, Selbststeuerung, Puffer, Stabilität: Grundlage für reiches Leben. Aufgrund der
Schwerkraft sind landbewohnende Lebewesen allesamt Grenzbewohner zwischen Luft und Boden.
Leben ist weiterhin kontrollierte Grenzflächenvergrößerung und Grenzflächen-Management (Baum
mit Blättern, Wurzeln, Gehirn, Darm, Lunge, Mitochondrien, Amöbe, ...). Übertragen auf den
menschlichen Lebensraum: Schränke, Regale an der Wand, sämtliche Einrichtungsgegenstände,
herumliegende Papierstapel, Inhalt von Schränken und Regalen - alles vergrößert die Oberfläche
des menschlichen Lebensraumes. Heimtextilien, Teppichboden und Tapeten vergrößern die Fläche
weiter. Wandverkleidungen, Fußleisten und Fliesen bieten mit ihren Rückseiten
Oberflächenvergrößerungen, die ständig außerhalb der Reichweite des Menschen bleiben.
Weiter: Rohrdurchbrüche, hohle Möbelteile, abgehängte Decken; Garten, ... . Unordnung
vergrößert die Oberflächen, die Vermischung, den Schmutz - und damit die Lebensräume.
Wer Schädlinge hat, hat - so gesehen - eigentlich nur Grenzschwierigkeiten.
Entsprechend weniger kann geschehen, wo Grenzen begradigt / verkürzt werden. Kurz
zusammengefaßt: man kann die Ereignisse überschaubar machen oder verhindern, indem man
entrümpelt, aufräumt, saubermacht, abschließt: All das trägt zur Verkürzung von Grenzen bei.
Für die Festlegung von Grenzen gibt es verschiedene Möglichkeiten. Sie können den natürlichen
Grenzen folgen oder willkürlich gezogen werden. Europäische Menschen neigen zu willkürlichen,
rechteckigen Grenzen. Beispiele für willkürlich gezogene Grenzen: neue Häuser, Zäune,
Flurbereinigung, Flußbegradigungen, ... Nachteil willkürlicher Grenzen ist, daß sie oft mehrere
natürliche Grenzen umspannen, wenn sie zu groß werden. Das erschwert die Handhabung der
eingegrenzten Lebensräume und rächt sich auf die Dauer. man sagt dann, `die Natur schlägt
zurück´. Weitere Nachteile sind sterile Umgebung, zumeist ungemütlich, Krankenhausatmosphäre.
Wünschenswert:
- Wer Angst vor Schädlingen oder Schädlinge hat, sollte zunächst aufräumen, saubermachen und
dichtmachen. Schädlinge, die danach noch übrigbleiben, müssen meist getötet werden.
- Um Schädlingsbefall auf die Dauer abzuwehren, empfiehlt sich, die Vorteile der natürlichen
Gegebenheiten kennenlernen und nutzen, Förderung gesteuerter Vielfalt, kontrolliertes
Loslassen;
- Einordnen und Anpassen der menschlichen Grenzen in die natürlichen Gegebenheiten.
-> Lebensraum, Schmutz, Zuständigkeit
Habitat -> Lebensraum
Heime