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Anhang A1 - 24
MethodenIntegrierte Schädlingsbekämpfung
Streß
Ebenso, wie wir selbst durch Streß krank werden, können wir unsere unerwünschten Mitbewohnern
mit Streß krank machen. Das kann u.U. schon ausreichen: Don R
EIERSON
(1993, mündl. Mitt.) hat
an Schaben beobachtet, daß sie unter Streß zunächst ihr Verhalten ändern. Um den Schaben Streß
zu bereiten, reicht es aus, sie für eine Zeit knapp über ihre Temperaturgrenze zu erwärmen. Danach
laufen sie z.B. tagsüber im hellen Licht herum, bleiben im Durchzug sitzen, tun halt lauter Dinge,
die ihnen nicht bekommen. Sie leben zwar noch eine Weile, sind aber nicht mehr auf die Dauer
über-lebensfähig und sterben nach einiger Zeit. Selbst wenn sie weiter leben, sind sie meist nicht
mehr in der Lage, lebensfähige Nachkommen zu produzieren. Wir können Schädlinge also auch
loswerden, indem wir ihnen Streß bereiten, und zwar möglichst auf mehrere Arten gleichzeitig.
Ebenso, wie wir selbst meist erst krank werden, wenn zu dem normalen Streß noch etwas dazu
kommt, werden auch Schädlinge durch das Zusammenwirken von mehreren Faktoren leichter
krank.
In Verbindung mit umwelt- und resourcenschonender Schädlingsabwehr interessiert besonders, daß
von jedem einzelnen Streß-Faktor immer weniger gebraucht wird, wenn mehrere gemeinsam
wirken. -> Synergismen; allgemei.doc; Verschiedenes
stromführende Teile
sind besondere Befallsorte. Alle Mittel und Methoden, deren Einsatz mit Feuchtigkeit verbunden
ist, scheiden aus. Auch Metallteile bei Ausbringungsgeräten sind tunlichst zu schützen. Empfohlen
wird, mit Staub zu behandeln, bei dem die Teilchen nicht elektrostatisch aufgeladen werden. Die
Düsenöffnung des Stäubegerätes sollte mit einem Stück Plastikschlauch gesichert werden.
Sukzession -> Grenzen
Synergismen
Viele Methoden der ganzheitlichen Schädlingsabwehr verstärken die Wirkung von anderen. Im
einfachsten Fall addiert sich die Zusammenwirkung. Meistens vervielfacht sie sich aber, wenn sie
richtig kombiniert wird; je nach Situation gleichzeitig, nacheinander oder im Wechsel, und jede in
der exakt richtigen Menge. Wer die Kombination geschickt auswählt, kann mit minimalem Einsatz
die Wirkung vervielfachen.
Die synergistischen Wirkungen von Streßfaktoren sind ein weites, fast leeres Feld. Auch hier ist
noch jede Menge Spielraum für kreative Entfaltung. Kombinationen von zwei oder mehr Methoden
und/oder Chemikalien wirken u.U. um ein Vielfaches stärker als jede einzelne Methode für sich.
Sie wirken in geringen Konzentrationen und / oder hochspezifisch; verringern den
Schadstoffeintrag; sichern den Erfolg. Synergismen sind - kreativ eingesetzt - das Herz des
integrierten Schädlingsmanagements: "sustainable" (nachhaltig), ressoucenschonend,
resistenzverzögernd, umweltverträglich. Umgekehrt gilt: je weniger bekannt ist, desto mehr muß
sicherheitshalber eingesetzt werden.
In der nachfolgenden Tabelle werden beispielhaft einige Synergismen von jeweils zwei Faktoren
dargestellt, die bereits erprobt sind und auch solche, die in Frage kommen: bewährte, bekannte und
mögliche Kombinationen. Die Liste ist in jeder Hinsicht offen. K
USCHINSKI
&
L
ÜLLMANN
(1987,
S. 53) schreiben im Zusammenhang mit Medikamenten allgemeiner von "Interferenzen", zu denen
sie außer den Synergisten auch die Antagonisten zählen. -> Streß