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8 - Anhang A2
Insektizide & Akarizide
Integrierte Schädlingsbekämpfung
Kohlendioxid, CO2
... ist ein farbloses Gas von schwach säuerlichem Geruch und Geschmack. Es entsteht bei der
Atmung der Lebewesen und beim Verbrennen (Kraftwerke, Heizungen) von Kohle, Erdöl und Gas.
Die Luft enthält 0,03 Vol.-% CO2. Es kommt außerdem natürlichem Wasser vor, besonders in
Mineralwässern und in Vulkangasen. CO2 ist 1,5 mal so schwer wie Luft, läßt sich aus Gefäßen
umgießen; sammelt sich am Boden von Gärkellern und Brunnen, auch in Höhlen; ist nicht brennbar
(erstickt eingeführte Flamme), in kaltem Wasser reichlich löslich, besonders unter Druck. Mit
Wasser entsteht Kohlensäure; mit Basen Karbonate und Hydrogenkarbonate. Bei 20°C läßt sich
CO2 durch einen Druck von 5mPa (
˜
50 at) verflüssigen. Es kommt in grauen Stahlflaschen in den
Handel.
Physiologie: Vom Menschen ausgeatmete Luft enthält 4 Vol.% CO2 . Reines CO2 wirkt auf den
Menschen infolge Sauerstoffmangels rasch tödlich; auch Luft mit mehr als 15% CO2 erzeugt
Schwindel, Bewußtlosigkeit und schließlich Tod. Bei anderen Tieren geschieht dasselbe.
Aus Backpulver und Hefe entwickelt sich bei Feuchtigkeit Kohlendioxid, das den Teig
gewissermaßen von innen "aufschäumt". Wenn Ameisen Backpulver und Hefe fressen, entwickelt
sich das Kohlendioxid in deren Darm und bringt sie zum "Platzen".
K
ÖNIG
1989 (Raumluft): 0,07% CO2, <15% O2: Ermüdung, Leistungsabfall, Kopfschmerzen;
5,4% CO2 tödlich für Menschen
Naturhaushalt: Kohlendioxid wird in Anwesenheit von Chlorophyll (Blattgrün) unter Aufnahme
von Lichtenergie von den grünen Pflanzen (über verschiedene Zwischenstufen zunächst zu
Traubenzucker) in organischer Substanz gebunden; hierbei wird Sauerstoff frei. Die
aufgenommene Energie wird bei der Atmung der Pflanzen und Tiere wieder frei und dient den
Lebensprozessen. Der bei der Atmung aufgenommene Sauerstoff oxidiert die organische Substanz
in Gegenwart von Atmungsenzymen zu Kohlendioxid und Wasser. 0,12% der Sonnenenergie
werden von den Pflanzen photochemisch aufgenommen. Zuckerproduktion aus CO2: 1g / h / m²
Blattfläche (S
CHRÖTER
&
AL
. 1984, S. 350)
Umweltprobleme, UBA (1980): Der Gehalt von CO2 in der Luft ist in den vergangenen 100 Jahren durch gestiegenen
Kohle- und Heizölverbrauch und zunehmende Abholzung von z.T. tropischen Urwäldern (die einen Teil des CO2
aufnehmen) um ca 14%gestiegen. Ein weiterer Anstieg der CO2-Konzentration kann langfristig zu einer Erwärmung
der Erdoberfläche führen, da u.U. durch eine "CO2-Glocke, die von der Erde abgestrahlte Wärme nicht mehr
ungehindert an den Weltraum abgegeben werden kann (Treibhauseffekt). Es wird befürchtet, daß in den nächsten
Jahren weltweit mit Temperaturerhöhungen zwischen 1,5 bis 3,0oC, am Nordpol sogar zwischen 4,5 bis 15o C
gerechnet werden muß. Das würde Klimaveränderungen und ein Abschmelzen der Polkappen bedeuten.
Verwendung in der Schädlingsbekämpfung als ...:
-
Treibmittel
für Aerosole, evtl. zum Selber Nachfüllen,
-
Betäubung
s- und
Tötung
smittel für Insekten und Wirbeltiere,
-
Lockstoff
für Mücken-, Zeckenfallen, Austreibemittel für Mäuse,
-
Fraßgift
für Ameisen (Backpulver, Hefe)
-
Konservierung
smittel in Form von Trockeneis (O
LKOWSKI
& al. 1991).
-
Synergist
: CO2 wird auch Giftgasen zur Insektenbekämpfung als Synergist zugesetzt. Es
stimuliert die Öffnung der Atemöffnungen von Insekten, die sie bei Kontakt mit dem Gift
schließen (M
ALLIS
1991, S. 874.
-
Stickgas
: Kohlendioxid-Atmosphäre ist für geringe Ungenauigkeiten weniger empfindlich als
Stickstoff (N2) . Etwas Sauerstoff (O2) stört nicht.
Mit Rücksicht auf die Atmosphäre sollte CO2 ebenso sparsam eingesetzt und exakt plaziert werden
wie die übrigen Wirkstoffe, obwohl es in rauhen Mengen verfügbar ist.