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20 - Anhang A2
Insektizide & Akarizide
Integrierte Schädlingsbekämpfung
der Natur als Sand und als Kieselerde vor. Verzehrtes Silikagel wird unverändert wieder
ausgeschieden. Silikagel ist feinkörnig. Es saugt die hauchdünne Wachsschicht von der
Körperoberfläche der Insekten ab und macht sie so durchlässig für Wasser. Insekten, die mit
Silikagel in Berührung kommen, trocknen aus und sterben nach einiger Zeit.
Da Silikagel "nur" physikalisch wirkt, nimmt es unter den Pestiziden eine absolute Sonderstellung
ein. Viele Autoren zählen es deshalb auch nicht zu den Insektiziden, obwohl die insektizide
Wirkung seit langer Zeit bekannt ist (Z
ACHER
, Dreißiger Jahre).
Die unbegrenzte Stabilität und - solange es trocken bleibt - auch Dauerwirkung, die ja ansonsten
eher unerwünscht ist (s.o.: Allgemein), kann in diesem Ausnahmefall akzeptiert werden und macht
das Material hochgeeignet für die Behandlung unzugänglicher, trockener Hohlräume. Z.B.
eingestäubte Schaben verlieren innerhalb einer Stunde bis zu 70% ihres Gewichtes an Flüssigkeit,
wenn die Umgebung trocken ist; in feuchter Umgebung dauert es länger. Schaben laufen und
sitzen allerdings nicht gerne auf staubigem Grund. Deshalb ist Silikagel gut geeignet, befallene
Schlupfwinkel von Schaben freizuhalten. Wer auch nur einmal mit reinem Silikagel ohne weitere
Zusätze gearbeitet hat, lernt die völlige Ungiftigkeit sofort zu schätzen. Dennoch gibt es einiges zu
beachten:
- Silikagel wirkt nicht auf alle Insektenarten gleich stark. Orientalische Schaben z.B. können
offenbar den Wasserverlust durch Trinken wieder ausgleichen.
- Bei Luftbewegung und Durchzug besteht die Gefahr der Verdriftung. Silikagel darf nur an
windsicheren Orten verwendet werden. Andere Möglichkeiten sind, die Partikel mit geringen
Mengen Öl zu beschweren (= Drione), oder sie durch elektrostatische Aufladung zum Haften
zu bringen (E
BELING
in R
UST
& al. 1995).
- Silikagel saugt nicht nur die Wachs-Schutzschicht vom Insektenpanzer, sondern auch anderes
gerne auf; also auch Gifte, die vielleicht vorher ausgebracht wurden.
Es wird sogar für die
Zubereitung von Insektiziden als Trägerstoff verwendet. Die Partikel werden wie winzige Schwämme benutzt,
aus denen das Gift allmählich freigesetzt wird.
Das kann bei Durchzug theoretisch dazu führen, daß
insektizidbeladene Silikagel-Teilchen eingeatmet werden. Silikagel sollte also nur dort
verwendet werden, wo anderweitige insektizide Beläge mit Sicherheit ausgeschlossen werden
können.
- Auf keinen Fall dürfen scharfkantige, kristalline Teilchen verwendet werden. Wenn diese
eingeatmet werden, besteht Silikosegefahr, ähnlich der Asbestose. Die amorphen Partikel von
Silikagael können innerhalb von 2-4 Wochen aus den Lungenbläschen wieder entfernt werden.
(J
AHR
1981,
R
OM
1983, WHO 1987).
- Gegen Deutsche Schaben ist Silikagel bei gesättigter Feuchtigkeit unwirksam. Es wirkt aber
später nach, sofern die Tiere in trockene Umgebung kommen; es sei denn, sie häuten sich
inzwischen. Gegen Orientalische Schaben unbefriedigend (möglicherweise, weil sie größer
sind und den Wasserverlust durch Trinken ausgleichen können).
- Über die Wirkungsverluste durch Feuchtigkeit herrscht weitgehend Uneinigkeit; das gilt
sowohl für feuchtes, als auch für wieder getrocknetes Silikagel.
- Die Repellent-Wirkung von Silikagel ist noch nicht abschließend geklärt. Verschiedene
Autoren haben beobachtet, daß die Schaben bestäubte Flächen ohne Weiteres belaufen. Sie
ziehen sich aber zum Ausruhen auf andere, nicht behandelte Flächen zurück, wenn sie die
Möglichkeit dazu haben. Es wird angenommen, daß Schaben und Ameisen die Beläge meiden,
da das Silikagel u.a. auch ihre chemischen Duftspuren auslöscht, indem es sie aufsaugt
(E
ICHLER
1965, E
BELING
&
R
EIERSON
1969, L
E
P
ATOUREL
&
Z
HOU
1990).
Ein für Menschen
vorstellbarer Vergleich wäre vielleicht, wenn alle Straßenschilder über Nacht verdampfen würden.
Kieselhaltige Materialien, die zur Schädlingsbekämpfung verwendet werden können: