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Integrierte Schädlingsbekämpfung
Insektizide & Akarizide
Anhang A2 - 25
Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten: es werden immer neue Larven produziert, aber keine
Nachkommen mehr; das Chitin (= das Baumaterial für den Insektenpanzer) kann entweder nicht
mehr gebildet werden, oder die Insekten kommen nicht mehr aus ihren alten, zu klein gewordenen
Panzern heraus, ersticken also regelrecht in ihren alten Panzern. Manche Wachstumsregler führen
auch dazu, daß die Tiere steril werden, also keine fruchtbaren Eier mehr legen.
Da Menschen und andere Wirbeltiere weder Chitinsynthese, noch Häutung im Sinne von
Panzerwechsel, noch das Juvenilhormon haben, gelten diese Stoffe als für sie völlig unbedenklich.
Die wichtigsten Wachstumsregler sind akut weniger giftig als Kochsalz.
Jeder dieser Wirkstoffe trifft nur wenige Zielorganismen, d.h. sie sind selektiv (= auswählend),
besonders, wenn sie als Köder oder als Schlupfwinkelpräparat ausgebracht werden können. Sie
wirken überhaupt nicht repellierend (= abschreckend). Die Wirkung setzt erst nach einiger Zeit ein.
Allerdings gibt es einiges zu beachten:
- Wachstumsregler machen i.d.R. nur Sinn, wenn sie zum rechten Zeitpunkt eingesetzt werden.
Der ist meist verpaßt, wenn die ausgewachsenen Vollinsekten lästig werden. Wenn bei
Flohbefall beispielsweise die jungen Larven mit einem Wachstumsregler behandelt werden,
gibt es keine erwachsenen Flöhe und demzufolge keine Belästigung. Ist die Flohplage da, dann
sind akut erst mal andere Maßnahmen zu ergreifen. Hier macht es aber durchaus Sinn, den
Wachstumsregler für die nächste Saison vorzumerken. Weiterführende Informationen hierzu
finden sich in R
UST
et al 1995, Kapitel 10, 11.
- Wachstumsregler wirken nicht unmittelbar tödlich. Die Insekten laufen also noch eine ganze
Zeitlang scheinbar gesund herum und stören weiter. Im Hygienebereich und für Personen mit
wenig Verständnis ist das möglicherweise nicht tragbar.
- Juvenilhormone töten überhaupt nicht. Die Häutung bringt nur immer neue Larvenstadien
hervor, aber keine vermehrungsfähigen Erwachsenen. Wo die Larven das schädliche Stadium
sind, kann diese Gruppe u.U. den Schaden noch vergrößern. (
Juvenilhormone können auch den
Nutzen vergrößern, wenn z.B. Seidenraupen damit behandelt werden.
)
- Die Betroffenen und die Schädlingsbekämpfer müssen eine ganze Menge an Geduld, Wissen
und Verständnis aufbringen, um vom Einsatz der Wachstumsregler zu profitieren. Deshalb ist
diese Wirkstoffgruppe nur für Fortgeschrittene geeignet.
Wachstumsregler können geradezu als modellhaft für den Grad an spitzfindiger Verfeinerung
angesehen werden, den die Schädlingsbekämpfung in Zukunft wird anstreben müssen (C
OATS
1994,
S.501).
Metamorphosehemmer / Juvenilhormon-wirksame Wachstumsregler:
-
Hydropren
, (Schaben); LD50-5.000; 34,3 EC, 9 EC
-
Methopren
, (Fliegen, Pharaoameisen, Flöhe, Läuse, Mücken Motten, ...); LD50-34.600; 5
EC; extrem flüchtig, wird von Styropor und Kunststoff leicht absorbiert (M
OSER
et al, 1992);
"wandert" im Teppichboden u.a.; gute Kurzzeitwirkung gegen Flohlarven, instabil bei
Sonnenlicht, Halbwertzeit im Boden weniger als 10 Tage (H
INKLE
1992 p.149)
-
Pyriproxyfen
, (Fliegen, Mücken, Schaben, Flöhe, ...), LD50-5.000, gute Langzeitwirkung,
verdampft nicht.
Chitinsynthesehemmer
-
Chlorflurazulon
Th150, (tötet auch Eier), 25%WP, 0,05%EC, 500g/l flowable; Kontakt,
Fraß;
Aim, Jupiter, Atabron, Helix
; Ishihara, J, 1982; Ciba, ICI (substituted urea)
-
Diflubenzuron
, Th139; (Acylharnstoff, verhindert Chitinablagerung, tötet auch Larven und
Eier) WP 25%,
Dimilin
; Duphar, NL, 1972; Schering